Heinz-Christian Strache - Erfolgreicher Wieder-nicht-Bürgermeister

Wien (APA) - Er wollte Wiener Bürgermeister werden, wieder einmal. Bereits bei den vergangenen Urnengängen war FPÖ-Chef Heinz-Christian Stra...

Wien (APA) - Er wollte Wiener Bürgermeister werden, wieder einmal. Bereits bei den vergangenen Urnengängen war FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als „Bürgermeister-Kandidat“ ins Rennen gegangen, es blieb aber bei der Oppositionsrolle. Das wird auch diesmal so sein: Trotz der Zugewinne auf voraussichtlich über 30 Prozent musste er sich im ausgerufenen Duell mit Amtsinhaber Michael Häupl (SPÖ) geschlagen geben.

Der eigentliche Wunsch Straches ist aber ohnehin ein anderer, nämlich das Kanzleramt; den Bürgermeister-Sessel wollte der 46-Jährige als Sprungbrett nutzen. Seit elf Jahren steht Strache der Wiener Landesgruppe vor, zehn Jahre lang ist er auch schon Chef der Bundespartei. Seitdem hat der Wiener einen gewissen Wandel vollzogen, vor allem bei medialen Auftritten ist er um sanftere Töne bemüht - eine Strategie, die auch bewusst gesetzt wurde, um breitere Wählerschichten anzusprechen, wie Meinungsforscher dem FPÖ-Chef in jüngster Vergangenheit mehrfach attestierten. Auch im jetzigen Wahlkampf gab er sich vorrangig staatsmännisch.

Im Jahr 2006 noch forderte der gelernte Zahntechniker etwa in recht harschen Worten, Abzuschiebende nicht mit zivilen Flugzeugen, sondern mit Bundesheer-Maschinen außer Landes zu bringen: „Ich sage, die Herkules umrüsten zu einer Abflugmaschine, da können sie dann schreien, sich anurinieren, da stört‘s dann niemanden, da werden sie abgeschoben“, sagte er bei einer Wahlkampf-Veranstaltung. Zuletzt bekannte Strache im ORF-“Sommergespräch“, dass man über diese Diktion „sicherlich debattieren und diskutieren“ könne, in der Sache blieb er aber hart: „Es kann nicht sein, dass jemand, der schreit, spuckt und sich bewusst und ganz gezielt anuriniert, damit einen rechtsstaatlichen Vorgang verhindert.“

Bemühungen Straches um die Öffnung der Partei in Richtung Mitte sehen Beobachter auch in dessen Versuch, den „rechten Rand“ innerhalb der Partei zurückzudrängen. Im Jahr 2014 etwa entledigte sich der FPÖ-Obmann des damaligen freiheitlichen EU-Spitzenkandidaten Andreas Mölzer, der wegen eines Sagers über ein „Negerkonglomerat“ bzw. eines Vergleichs der EU mit dem Dritten Reich stark in Kritik geraten war. Auch die Entfernung des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf von den freiheitlichen Wahllisten gilt als ein Schritt in diese Richtung. Im Wien-Wahlkampf holte er die einst bürgerliche Grand Dame Ursula Stenzel an Bord und verbuchte damit vor allem jede Menge Schlagzeilen.

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Dieser Versuch eines Image-Wechsels ist ein recht scharfer, wenn man Straches politischen Werdegang betrachtet. Als junger Mann machte er noch bei „Waldspielen“ mit, die an Wehrsportübungen erinnerten. Im Haus von NDP-Gründer Norbert Burger, mit dessen Tochter Strache liiert war, ging der heutige FP-Chef aus und ein. Und noch 2004, bereits als Wiener FPÖ-Obmann, wollte sich Strache mit einem Kontrahenten im Rahmen eines Burschenschafter-Streits duellieren.

In den Kampagnen für die Wahlen in Oberösterreich und Wien im Herbst setzte der zweifache Vater vor allem auf den Kampf gegen Rot-Grün in Wien und nutzte auch das aktuelle Asyl-Thema, um zu mobilisieren. EU und Regierung warf er wiederholt „völliges Versagen“ in der Flüchtlingspolitik vor, umstrittene Plakate zum Thema Ausländer oder Migration blieben - anders als in der Vergangenheit - allerdings großteils aus.

Dafür rief Strache in Wien via Plakat-Kampagne eine „Oktober-Revolution“ aus, die an den Urnen stattfinden sollte: „Wien tauscht Häupl gegen HC Strache und nimmt für Rotgrün süße Rache“, hieß es dort in altbekannter Reimform. Zumindest eine kleine Revolution, die Verfassungssperrminorität im Landtag und ein freiheitlicher, allerdings nicht amtsführender Vizebürgermeister, sind nun in Griffweite.

Eigentliches Ziel Straches ist freilich gar nicht das Rathaus in Wien, sondern das Kanzleramt am Ballhausplatz, wie er immer wieder betont. Dass er trotzdem erneut als „Bürgermeister-Kandidat“ ins Rennen ging, ist auch taktisch motiviert: Strache sieht eine mögliche Regierungsbeteiligung in Wien auch als Chance, sich für eine Kanzlerschaft zu empfehlen. Zwar lehnte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) das immer strikt ab, Strache sieht in der rot-blauen Koalition im Burgenland aber auch den Beginn eines Bröckelns der strikten SP-Ablehnung gegenüber seiner Partei. Er jedenfalls stehe zu Gesprächen mit der SPÖ bereit, betonte er immer wieder.

Unbestritten ist Straches Standing innerhalb der Partei. Dies hat er nicht nur Beratern wie Generalsekretär Herbert Kickl zu verdanken, sondern ist auch Folge eines blauen Heldenmythos, der den Obmann umweht. Als sich Jörg Haider mit dem freiheitlichen Regierungsteam und beinahe dem gesamten Parlamentsklub ins BZÖ verabschiedete, galt nur noch der aufstrebende Strache als jener, der das politische Begräbnis der FPÖ verhindern konnte.

Und Strache hielt, was man sich von ihm versprach. Seit seinem Antritt als Wiener und als Bundes-Obmann (2004 bzw. 2005) klettern die Freiheitlichen in der Wählergunst wieder unermüdlich nach oben. Hätte er nicht die Kärntner Freiheitlichen ins Boot geholt, könnte der FP-Chef sogar guten Gewissens sagen, dass seine FPÖ mit den Korruptionsaffären der vergangenen Jahre nichts zu tun hatte. Beim Wähler hat aber auch das Kärntner Problem sichtlich nicht wirklich geschadet.

~ WEB http://www.fpoe.at ~ APA339 2015-10-11/19:15


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