Manfred Juraczka - Mission completed

Wien (APA) - Bis zuletzt hat er gehofft und zumindest öffentlich an das Meisterstück geglaubt: ÖVP-Landesparteichef Manfred Juraczka gab sic...

Wien (APA) - Bis zuletzt hat er gehofft und zumindest öffentlich an das Meisterstück geglaubt: ÖVP-Landesparteichef Manfred Juraczka gab sich davon überzeugt, mit seiner Volkspartei bei der Wien-Wahl reüssieren zu können. Doch die Wähler zogen da nicht mit - und bescherten der ÖVP das schlechteste schwarze Ergebnis aller Zeiten. Juraczka beantworte das mit seinem Rücktritt.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Manfred Juraczka einen der undankbarsten Jobs im ÖVP-Universum angenommen hat. Seit 2012 ist der 46-Jährige Chef der Wiener Landespartei. Dabei ist ihm das nicht zu unterschätzende Kunststück gelungen, die lange Zeit als Intrigantenstadl verschrienen Stadt-Schwarzen zumindest bis zur Listenerstellung für die Wahl zu einen.

Er hat es auch geschafft, ohne gröbere Kraftanstrengung relativ fest im Sattel zu sitzen. In einer Landespartei, die vor ihm schon 16 Obleute seit 1945 - und damit deutlich mehr als die politische Konkurrenz - verbraucht hat und die für das liebevoll gepflegte Hobby des öffentlichen Chefsesselsägens berüchtigt war, ist dies bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Genutzt hat ihm das letztlich alles nichts. Mit dem einstelligen Ergebnis vom Sonntag war Juraczka klar, dass seine Mission erfüllt ist, wenn auch nicht in seinem Sinne.

Im Vorfeld des Urnengangs hatte der Landesparteichef ohnehin schon mit internem Gegenwind zu kämpfen. Immerhin ließ er bei der Kandidaten-Listenerstellung altgediente Funktionäre wie Ingrid Korosec zugunsten unbekannter junger Kandidaten und Wirtschaftsbündler wie Landtmann-Chef Berndt Querfeld außen vor. Senioren- und Bauernbund sollen damals äußerst verschnupft gewesen sein.

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Auch mit der Grande Dame der Innenstadt, Ursula Stenzel, hatte es sich der ÖVP-Obmann verscherzt. Denn die Volkspartei hat die originelle Bezirksvorsteherin nicht mehr nominiert. Allerdings war die City-Chefin auch schon davor nicht uneingeschränkt begeistert von der Performance Juraczkas. „Der Stadtparteichef bringt keinen geraden Satz in einem TV-Interview heraus“, adressierte die frühere ZiB-Moderatorin an die Zentrale am Rathausplatz.

Viel kommunalpolitische Erfahrung brachte der am 16. Jänner 1969 geborene Hernalser jedenfalls nicht mit, als er seinen Posten an der Parteispitze antrat - und das, obwohl er die Verbundenheit mit der ÖVP gewissermaßen in die Wiege gelegt bekam. Seine Mutter werkte als Bezirksparteisekretärin, sein Vater war stellvertretender Bezirksvorsteher in Hernals. 2007 übergab er diese Funktion an seinen Sohn, der bereits seit 2003 Parteiobmann im 17. Bezirk war und darüber hinaus einige Funktionen im ÖAAB innehatte. Parteiintern blieb er aber lange Zeit ein eher unbeschriebenes Blatt.

Das änderte sich sechs Jahre später schlagartig. Damals schaffte der studierte Politologe den Sprung ins Rathaus und wurde nicht amtsführender Stadtrat. Dann ging es schnell: Die glücklose Christine Marek kehrte Wien den Rücken, ÖAAB-Chefin Gabriele Tamandl übernahm interimistisch, und schon im Februar 2012 wurde Juraczka offiziell zum neuen Parteichef gekürt. In seiner Antrittsrede versprach er den Delegierten einen „Neustart“. „Das Wahlergebnis, interne Diskussionen, bescheidene Meinungsumfragen. Das hat uns allen deutlich gemacht, so darf es nicht weitergehen“, meinte er damals. Gleiches sagte er übrigens auch heute am Wahlabend - mit optimistischem Blick Richtung 2020.

Den großen Reset-Knopf hat der gelernte, stets adrett gekleidete und um Verbindlichkeit bemühte PR-Profi - er war von 2004 bis 2011 Marketingmanager beim Technologiekonzern Alcatel - aber nicht gedrückt. Juraczka positionierte die schwarze Rathaustruppe vor allem als Schutzpatrone der von „Gebührenlawinen“ überrollten Steuerzahler und noch mehr der - in Zeiten von Parkpickerl und Mariahilfer Straße - schikanierten Autofahrer. Wobei der Parteichef selbst einmal bekundete: „Ich bin sicher kein Benzinbruder, der glaubt, alle müssen mit dem Auto fahren.“ Darüber hinaus pflegt man das Image als kompetente Wirtschaftspartei in Zeiten angespannter Budgets.

Die Umfragewerte für die Stadt-Schwarzen sind a la longue jedoch nicht besser geworden. Im Gegenteil, der Absturz war schon vor der Wahl erahnbar: Regelmäßig war - nicht zuletzt aufgrund der neuen Konkurrenz durch die NEOS - vom drohenden Minus unter die Zehn-Prozent-Marke die Rede. Und das, obwohl der streng-kritische Plakatblick der Anfangszeit einem (tendenziell verkniffenen) Lächeln gewichen war. Auch die wilden Zeiten, als Juraczka von Hernals aus forderte, man möge mithilfe von DNA-Analysen die Verursacher illegal zurückgelassenen Hundekots ausfindig machen, sind schon lange vorbei.

Zu seinen Erfolgen als Landesparteichhef zählte eine Unterschriften-Sammelaktion, um eine Volksbefragung über die Ausweitung des viel diskutierten Parkpickerls herbeizuführen. Damit hätte das rot-grüne Vorhaben zum Fall gebracht werden sollen. Es kamen zwar mehr als ausreichend Unterstützungserklärungen zusammen, aber eine Befragung gab es dann nicht, da die Fragestellung als nicht zulässig bewertet wurde.

Abseits der politischen Bühne bzw. im semiprivaten Bereich zeigt sich der 46-Jährige - verheiratet und Vater eines Buben - umgänglich und locker. Bei Abendveranstaltungen trifft man ihn - gerne mit einem Wodka-Red Bull und (wenn erlaubt) einer Zigarette in der Hand - plaudernd an der Bar. Für das unregelmäßig stattfindende Partei-Clubbing „Manfreds Nachtflug“ versucht er sich sogar an den Plattentellern. In dieser Rolle feiert er gewissermaßen ein Comeback. Denn schon in den 1980er-Jahren legte Juraczka bei Partys der Jungen ÖVP auf - als „DJ Mandy“.


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