Derb-überzeichneter „Volpone oder der Fuchs“ im Grazer Schauspielhaus

Graz (APA) - Die Geschichte vom alten Geizhals Volpone und seinen Erbschleichern ist Sonntagabend am Grazer Schauspielhaus zu einer etwas ei...

Graz (APA) - Die Geschichte vom alten Geizhals Volpone und seinen Erbschleichern ist Sonntagabend am Grazer Schauspielhaus zu einer etwas einfältigen Klamotte verkommen, bei der es schade um das äußerst ambitionierte Ensemble war. Spielfreude, Beweglichkeit und Talent der Darsteller retteten den Abend aber soweit, dass ihn die meisten Zuschauer zumindest als recht vergnüglich empfanden.

Stefan Zweigs Fassung des Dramas „Volpone“, das Ben Jonson Anfang des 17. Jahrhunderts schrieb, war für Regisseurin Claudia Bauer ebenfalls nur eine Vorlage, die sie durch zeitgemäße Anspielungen und reichlich derben Sex-Humor „aufbesserte“. Die Inszenierung war durchsetzt von Szenen im Stil der Commedia dell‘Arte, und das gelang gut, denn das Ensemble gab auch körperlich vollen Einsatz. Sie ließen gekonnt die Tiereigenschaften anklingen, nach denen sie benannt waren. So zeigte sich Volpone (Fuchs) geschmeidig, Mosca (Mücke) war überall gleichzeitig und Colomba (Taube) gurrte sanft vor sich hin. Die Kostüme (Patricia Talacko) unterstrichen diese Charakterisierungen sehr wirkungsvoll.

Die Bühne wurde von einem Podest mit Himmelbett beherrscht, wo an einer aufgestellten Matratze Volpone wie Jesus am Kreuz hing. Aber wenn alle Besucher weg waren, stieg er herunter und machte es sich im Wohnzimmer bequem. Einige Szenen wurden als Videoaufzeichnungen eingespielt und geschickt mit dem Geschehen auf der Bühne verknüpft, so beispielsweise die Gerichtsverhandlung mit Gerhard Balluch als souveränem Richter.

Julia Gräfner zeigte als Mosca, dass sie spielen kann und herumhüpfen und auch noch singen, aber manchmal wäre weniger mehr - und wirkungsvoller - gewesen. Andri Schenardi zeigte einen fanatischen, geschmeidigen Volpone, der immer mehr ins Tierische abdriftete. Franz Solar als steinalter Wucherer, Franz Xaver Zach als gieriger Notar, Pascal Goffin als eleganter Rabe und Tamara Semzov als sanft-durchsichtige Taube vervollständigten die Vogelschar. Einen Kontrast dazu bildete Benedikt Greiner als wütender geprellter Sohn und Löwe. Fazit: ein „tierisch gutes“ Ensemble in einer mäßigen Regie.

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(S E R V I C E - „Volpone oder Der Fuchs“ von Stefan Zweig, Fassung für Graz und Regie: Claudia Bauer. Mit: Andri Schenardi (Volpone/Fuchs), Julia Gräfner (Mosca/Mücke), Franz Solar (Corbaccio/Krähe), Franz-Xaver Zach (Voltore/Geier), Pascal Goffin (Corvino/Rabe), Tamara Semzov (Colomba/Taube, Benedikt Greiner (Leone/Löwe, Gerhard Balluch (Richter). Nächste Vorstellungen: 16., 17., 21., 28. und 29. Oktober, 3., 7., 28. und 29. November 2015. www.schauspielhaus-graz.com)


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