Wildunfälle haben Hochsaison

In Tirol ereigneten sich 2014/2015 rund 1400 Unfälle, bei denen Wildtiere involviert waren.

Symbolfoto.
© dpa

Pettneu, Innsbruck –Die Arlbergschnellstraße bei Pettneu in der Nacht auf Montag: Ein 47-jähriger Lenker aus dem Bezirk Imst ist gegen 2.30 Uhr mit seinem Auto in Fahrtrichtung Vorarlberg unterwegs, als plötzlich ein Reh auf die Fahrbahn springt. Der Mann kann dem Tier ausweichen, das Auto gerät allerdings ins Schleudern, kommt von der Fahrbahn ab und überschlägt sich mehrmals. In der angrenzenden Wiese bleibt das Fahrzeug auf dem Dach liegen, der Lenker kann nach längerer Bewusstlosigkeit selbst Hilfe rufen und wird mit schweren Verletzungen in das Bezirkskrankenhaus Zams eingeliefert. Das Reh wurde laut Auskunft der Polizei nicht touchiert.

Gerade im Herbst ist die Gefahr von Unfällen mit Wildtieren besonders hoch, wie Experten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) und des Österreichischen Versicherungsverbandes unlängst im Rahmen einer Pressekonferenz unterstrichen. Ein Grund dafür sei, dass Wildtiere im Herbst oft größere Distanzen von den Ruheplätzen zu den attraktiven Nahrungsstellen zurücklegen und es dadurch vermehrt zu Straßenquerungen durch Wildtiere komme.

Bei Wildunfällen wurden im vergangenen Jahr in Österreich 338 Personen zum Teil schwer verletzt, zwei Menschen starben. Groß ist die Zahl der Unfälle ohne Personenschaden: Über 70.000 Wildtiere kommen jährlich auf Österreichs Straßen zu Tode. In Tirol ereigneten sich in der Saison 2014/2015 1384 Wildunfälle, bei denen rund 1200 Rehe getötet wurden.

„Die meisten Unfälle ereignen sich zwischen 20 und 22 Uhr abends oder in der Morgendämmerung, wenn die Tiere am aktivsten sind“, erklärt Othmar Thann, Direktor des KFV. Allerdings sei die Zeit zwischen ein und vier Uhr früh angesichts der geringen Verkehrsstärken ebenfalls sehr gefährlich. Oftmals werden die enormen Kräfte, die bei einem Wildunfall freigesetzt werden, unterschätzt, wie Thann berichtet. Bei einem Aufprall mit 50 km/h auf ein 80 kg schweres Tier wirke immerhin ein Aufprallgewicht von zwei Tonnen auf Fahrzeug und Fahrer.

Für den Fall, dass ein Tier auf die Straße springt, rät Tirols Landesjägermeister Anton Larcher: bremsen, nicht das Steuer verreißen, abblenden und hupen. Ist ein Zusammenstoß mit einem Wildtier unvermeidlich, sollte man stark bremsen und das Lenkrad gut festhalten. Kommt es zu einem Unfall mit einem Wildtier, muss die Unfallstelle abgesichert und die Polizei verständigt werden.

In Tirol hat der Jägerverband gemeinsam mit dem Land an Straßenabschnitten mit bekanntem Wildwechsel Wildwarner in Form von optischen oder akustischen Reflektoren montiert. Ein Projekt, das seit einigen Jahren durchaus erfolgreich läuft, wie Landesjägermeister Larcher betont. (np, TT)


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