Asylwerber sollen Zelte in Kufstein räumen
Bis Ende des Monats sollen 120 Asylwerber die Zelte in Kufstein verlassen haben. Tiroler Soziale Dienste (TSD) will drei große Traglufthallen für 720 Personen aufstellen. Auch Langkampfen nimmt Flüchtlinge auf.
Von Wolfgang Otter
Langkampfen, Kufstein –Das Interesse war groß, aber die Stimmung unaufgeregt: Unterlangkampfen wird im so genannten Boarhaus, das die Gemeinde angekauft hat, 13 bis 15 Asylwerber unterbringen. Grund genug für Bürgermeister Andreas Ehrenstrasser, die Langkampfner zu einer öffentlichen Gemeindeversammlung einzuladen. Zum einen, um die Stimmung in der Gemeinde auszuloten, aber auch um zu informieren und um Mitarbeit bei der Integration zu werben. Und viele Langkampfner haben daher auch den Weg in den Gemeindesaal gefunden.
„Man hört sie nicht, man sieht sie nicht, man spürt sie nicht. Diese Menschen möchten nur mehr in Ruhe leben“, konnte Kramsachs Vizebürgermeisterin Karin Friedrich berichten. In ihrer Gemeinde sind an die 30 Asylwerber untergebracht. Was anfänglich auch zu Verunsicherung geführt habe.
Nur eines konnte an diesem Abend den Zuhörern niemand genau sagen: aus welchen Ländern ihre neuen Mitbewohner stammen werden. „Es ist geplant, dass sie in rund einem Monat einziehen. Und daher ist das für uns derzeit noch nicht möglich zu sagen“, erklärte Florian Stolz von den Tiroler Sozialen Diensten (TSD), die die Asylwerber betreuen. Aber man habe sich darauf verständigt, „dass Familien zu uns kommen“, sagte BM Ehrenstrasser.
Im Langkampfner Gemeindeamt wird nun eine Liste aufgelegt, in die sich ehrenamtliche Helfer eintragen lassen können. „Denn es braucht neben den Deutschkursen auch Ehrenamtliche, die mit den Asylwerbern üben“, sagte Christine Eder-Haslehner vom Flüchtlingsheim St. Gertraudi.
Offen blieb auch, ob noch mehr als die 15 Asylwerber in Langkampfen untergebracht werden. Wenn man die Quote von 1,5 Prozent auf Langkampfen ansetzt, müsste man bis zu 57 Asylwerber aufnehmen, wie auch Bürgermeister Ehrenstrasser erklärte. „Eine Prognose kann niemand abgeben“, meinte Kufsteins Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer. Auf alle Fälle werde der Flüchtlingsstrom nicht abreißen, „sondern im Winter nur etwas abnehmen“. Tausende Menschen überqueren weiterhin täglich die Grenze.
Die TSD, die derzeit an die 4500 Asylwerber in rund 100 Unterkünften betreuen, müssen bis Ende Oktober die 120 Asylwerber aus den Zelten in Kufstein in festen Unterkünften unterbringen. In Kufstein sollen nach Möglichkeit nur noch Menschen auf der Flucht unterkommen, die Tirol bzw. Österreich nur durchqueren wollen. „Ich hoffe, es ist machbar, das ist eine große Herausforderung“, sagt Platzgummer.
So wie in der Nacht auf Montag, wo plötzlich an die 120 aufgegriffene Flüchtlinge in Kufstein versorgt werden mussten. Am Morgen waren nur noch 50 in den Unterkünften, alle anderen haben sich wieder auf den Weg nach Norden gemacht.
Jedenfalls wird es notwendig sein, für diese Flüchtlinge neue Zelte aufzustellen, da die im Einsatz befindlichen nicht optimal für den Winter seien. Leicht wird das nicht: „Es gab europaweit keine Zelte zu leihen. Die derzeit verwendeten stammen aus Deutschland“, verriet Platzgummer.
Laut TSD-Pressesprecher Georg Mackner sei man dabei, den Ankauf von drei Traglufthallen auszuschreiben. Sie sollen je 240 Personen fassen. Es sei aber noch zu früh, „zu kommunizieren, wo diese Hallen dann aufgestellt werden“, sagt Mackner auf Anfrage der TT.
Kommentare