Forscher entdeckten riesige Wellen in Atmosphäre der Sonne

Ein bisher unbekanntes Phänomen enthüllten Daten von zwei Raumsonden.

(Symbolfoto)
© dpa-Zentralbild/Arno Burgi

Göttingen – Wissenschafter sind einem bisher unbekannten Sonnen-Phänomen auf die Spur gekommen: Sie entdeckten explosionsartige Wellenfronten in der Atmosphäre unseres Sterns, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) am Dienstag in Göttingen mitteilte.

Die Wellen treten demnach zusammen mit Helium-3-reichen Teilchenströmen auf, also Teilchen einer leichten Spielart des Edelgases Helium. Die riesigen Wellenfronten tragen möglicherweise entscheidend dazu bei, diese Teilchen ins All zu beschleunigen.

Zwei Forschergruppen machten Entdeckung gleichzeitig

Die Entdeckung gelang zwei Forschergruppen unabhängig voneinander, nämlich Wissenschaftern um Nariaki Nitta vom Lockheed Martin Advanced Technology Center in den USA und einer Gruppe um Radoslav Bucik vom MPS. Die MPS-Forscher berichten nun über ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „The Astrophysical Journal“. Die in der Sonnenatmosphäre beobachteten Wellenfronten erstreckten sich demnach über mindestens eine halbe Million Kilometer und breiteten sich mit Geschwindigkeiten von etwa 300 Kilometern pro Sekunde aus.

Die Wellen ließen sich in energiereicher ultravioletter Strahlung, der sogenannten EUV-Strahlung, aus der Sonnenatmosphäre aufspüren. „Das neue Phänomen gleicht einer Art Explosion“, erläuterte Bucik, der das Team aus Forschern des MPS, der Johns Hopkins University sowie des Jet Propulsion Laboratory in den USA leitete.

Zeitgleich mit der explosionsartigen EUV-Welle schleudert die Sonne Helium-3-reiche Teilchenströme ins All. Solche Ausstöße sind zwar seit Jahren bekannt, ließen sich bisher jedoch nicht erklären. „Wir glauben nun, dass die EUV-Wellen die Helium-3-Teilchen beschleunigen“, erklärte die MPS-Wissenschaftlerin Davina Innes.

Nicht alle Fragen geklärt

„Unsere Auswertungen zeigen, dass die Eigenschaften der Wellenfront, wie etwa ihre Energie, auch die Eigenschaften der Teilchen beeinflusst“, fügte die MPS-Forscherin Lijia Guo hinzu. Wie dies genau geschieht, ist aber noch immer unklar. Die Forscher gehen von einem noch unverstanden Mechanismus aus, der die Teilchen ins All beschleunigt.

Schlüssel zum Fund der Wellenfronten waren Daten der NASA-Raumsonden „Stereo A“ und „ACE“ vom Jänner und Februar 2010. Die Sonden ermöglichten es, gleichzeitig aus zwei verschiedenen Richtungen auf unser Zentralgestirn zu blicken. Eine weitere Gelegenheit für solche Beobachtungen wird es laut MPS in den nächsten Jahren nicht geben.

„Stereo A ist das einzige Sonnenobservatorium im Weltall, das nicht nah bei der Erde verharrt, sondern um die Sonne herumfliegt“, erklärte Bucik. Während die erdnahe Sonde „ACE“ den Helium-3-reichen Teilchenstrom registrierte, lieferte Stereo A Aufnahmen seiner Ursprungsregion in der Sonnenatmosphäre - und der zeitgleichen EUV-Welle. (APA/AFP)


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