Schwendauer Bauern fühlen sich unfair behandelt

15 von 16 Bauern haben den Grundablösevertrag zur Verbreiterung der L299 in Schwendau unterschrieben. Der Ortsbauernobmann kritisiert Vertragsdetails und Grundverbrauch. Der Bürgermeister sieht das anders.

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Von Angela Dähling

Schwendau –An der L299, die die Schwendauer Ortsteile Drei Linden und Stockach verbindet, werden nächstes Jahr die Bagger auffahren. Dann wird das Verbindungsstück vom Ortszentrum zur Horbergbahn verbreitert und erhält zudem einen beleuchteten Gehsteig. Viele Schwendauer sind glücklich darüber, dass nach 14 Jahren vergeblichen Verhandelns das Straßenstück durch diese Baumaßnahmen sicherer wird.

Etliche Bauern in Schwendau indes grollen. Und zwar jene, die Grund für das Straßenprojekt abtreten müssen. Von den 16 Betroffenen weigerte sich die Hälfte bis zum Schluss, Grund zu den Bedingungen des Landes zu verkaufen. Jetzt ist die letzte Frist abgelaufen und alle bis auf einen haben unterschrieben. „Das heißt aber nicht, alles ist nun eitel Wonne. Im Gegenteil“, sagt Ortsbauernobmann und Gemeindevorstand Johann Wechselberger, von dem der meiste Grund gebraucht wird und der gegen den Baubescheid vergeblich auch vor Gericht gezogen war. „Das hier kam einer Erpressung gleich, da musste man unterschreiben, denn bei einer Enteignung hätte man noch weniger Geld bekommen und noch mehr Grund verloren“, sagt er und erklärt: „Wer sich auf den Vertrag einließ, darf jenen Grundanteil, auf dem eine flache Böschung errichtet werden soll, behalten. Wer nicht unterschrieb, muss den Grund dafür abtreten, darf ihn lediglich bewirtschaften.“ BM Franz Hauser erklärt, warum: „Das eingereichte Projekt ist maßgeblich, wenn nicht unterschrieben und damit enteignet wird. Bei einem Übereinkommen kann zusätzlich etwas vereinbart werden.“

Wie berichtet, erhalten die Bauern nur mit ihrer Vertragsunterschrift zusätzliches Geld von der Gemeinde Schwendau. Sie ist für die Errichtung des Gehsteigs zuständig. Dieser ist taleinwärts gesehen auf der rechten, bergseitigen Straßenseite geplant. Hier fühlt sich Wechselberger stark benachteiligt. Denn weil sein Wohnhaus auf der Gehsteigseite liegt, bekomme er dort für Bauland, das benötigt wird, 97 Euro/m². Der Nachbar gegenüber kassiere indes 130 Euro/m² im Stallbereich und 260 Euro/m² im Wohnbaubereich. „Weil sein Grund auf der Straßenseite liegt und meiner im Gehsteigbereich. Das macht 17.000 Euro Unterschied aus, den mir keiner ausgleicht“, ist Wechselberger verärgert. Auch der „enorme Grundverbrauch“ ärgert ihn.

Für die Straßenverbreiterung auf 2,1 km und den Gehsteig im Ortsteil Burgstall seien 2500 m² benötigt worden. Für 900 m zwischen Drei Linden und Stockach wären es 5000 m². „In Burgstall ging es um eine Gemeindestraße, jetzt um eine Landesstraße. Das ist nicht vergleichbar“, sagt Bürgermeister Hauser. Die Landesstraße werde von doppelt so vielen Fahrzeugen befahren, werde einen Meter breiter als die Gemeindestraße sein und erhalte dazu ein meterbreites Bankett. Auf der Gemeindestraße habe man darauf verzichtet. Die ungleiche Bewertung des Baugrundes von Wechselberger und dessen Nachbarn sei in der Widmung begründet: „Wechselberger hat eine Sonderflächenwidmung Hofstelle, der Nachbar landwirtschaftliches Mischgebiet.“

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