Neues „Vatileaks“? Aufregung im Vatikan wegen Beschwerdebrief

Weil der Beschwerdebrief von 13 Kardinälen an Papst Franziskus veröffentlicht wurde, herrscht Aufregung im Vatikan. Manche wollen ihn nun gar nicht mehr unterzeichnet haben.

Der Petersdom in Rom.
© Pressefoto Ulmer

Vatikanstadt – Die Veröffentlichung eines Beschwerdebriefs von 13 Kardinälen an Papst Franziskus sorgt für Wirbel im Vatikan. Mehrere Kardinäle reagierten empört auf die Veröffentlichung des Schreibens. Andere dementierten, den Brief unterzeichnet zu haben, wie das italienische Magazin „L‘Espresso“ am Montag berichtet.

„Es ist skandalös, dass ein Privatbrief an den Pontifex veröffentlicht wird. Das ist ein neuer Fall Vatileaks“, sagte der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, der Zeitung „Corriere della Sera“ am Dienstag. „Ich sage nicht, ob ich den Brief unterzeichnet habe oder nicht. Der Skandal ist, dass Schreiben an den Papst Privatbesitz des Pontifex sind, niemand darf diese veröffentlichen. Ich begreife nicht, wie das vorkommen kann. Wer das getan hat, muss sich verantworten. Die klare Absicht dieser Veröffentlichung ist, Spannungen und Streit zu schüren, das ist offenkundig“, sagte Müller. Er rief die Synodeväter auf, sich Verschwörungstheorien nicht hinzugeben.

Kardinäle: Ausgang der Synode sei bereits bestimmt

Im Brief sollen sich die Kardinäle darüber beschwert haben, dass der Ausgang der laufenden Bischofssynode über die Familie bereits feststehe. Zahlreiche Synodenteilnehmer hätten den Eindruck, dass die neue Arbeitsweise der Synode erdacht worden sei, „um vorherbestimmte Ergebnisse in wichtigen kontroversen Fragen zu erleichtern“, heißt es in dem Schreiben, das die italienische Zeitschrift „L‘Espresso“ am Montag auf ihrer Internetseite im Wortlaut veröffentlichte. Der Brief war den Angaben zufolge zu Beginn der Synode am vergangenen Montag dem Papst durch Kardinal George Pell überbracht worden.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens zählen laut „L‘Espresso“ die Kurienkardinäle Pell und Robert Sarah, der New Yorker Kardinal Timothy Dolan sowie die Kardinäle Angelo Scola und Andre Vingt-Trois aus Mailand und Paris sowie der Südafrikaner Wilfrid Fox Napier. Pell erklärte, dass der veröffentlichte Inhalt des Schreibens falsch sein. „Ein Großteil des Textes stimmt nicht. Ich begreife nicht, warum das geschehen ist und wer das Schreiben so veröffentlicht hat“, sagte Pell der Tageszeitung „La Repubblica“.

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Debatte um wiederverheiratete Geschiedene

Pell bestritt nicht, dass er dem Papst geschrieben habe. Er dementierte jedoch, dass der Inhalt des Briefes jener sei, der an die Öffentlichkeit gelangt ist. „Unter den Synodevätern herrscht Übereinstimmung über die Mehrheit der Themen. Es bestehen Divergenzen nur über die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. Eine Minderheit will die Regel ändern. Meiner Ansicht nach gibt es jedoch nicht die Möglichkeit, diesbezüglich die Lehre zu ändern“, so Pell.

Der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, bezeichnete die Veröffentlichung des Briefs als „Störungsakt“. „Wer den Brief veröffentlicht hat, hat einen Störungsakt unternommen, den die Unterzeichner eigentlich nicht im Sinne hatten“, sagte Lombardi. Man könne zwar Bedenken über die neuen Synodenmethoden erheben. Da diese Methoden jedoch vereinbart worden seien, müsse man diese auf beste Weise anwenden. Einige Kardinäle, die den Brief an den Papst unterzeichnet haben, würden im Rahmen der Synode eine „gemäßigte“ Linie einnehmen und hart für das Gelingen der Synode arbeiten. „Wir arbeiten weiter, ohne uns beirren zu lassen“, sagte Lombardi.

Kardinäle kritisieren Grundlage der Synode

Die Kardinäle kritisierten laut L‘Espresso das Arbeitspapier der Bischofssynode, das den inhaltlichen Leitfaden für die Beratungen bildet. Es könne nicht „angemessen als Leitfaden“ oder als „Grundlage für ein Abschlussdokument“ dienen, heißt es in dem Schreiben. Einige Teile bedürften einer grundlegenden Überarbeitung. Außerdem beanstandeten sie die Zusammensetzung der Kommission zur Erstellung des Abschlussdokuments. Die Mitglieder seien nicht gewählt, sondern ernannt worden. Weiter äußern sich die Kardinäle „besorgt“ darüber, dass die Bischofssynode „von der theologischen und die Lehre betreffenden Frage des Kommunionempfangs für wiederverheirateten Geschiedene“ dominiert sei. (APA)


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