Frankfurter Buchmesse - Politische Konflikte prägten den Auftakt

Frankfurt am Main/Teheran (APA/dpa) - Politische Konflikte haben am Dienstag den Auftakt der Buchmesse geprägt. Der Iran sagte wegen Salman ...

Frankfurt am Main/Teheran (APA/dpa) - Politische Konflikte haben am Dienstag den Auftakt der Buchmesse geprägt. Der Iran sagte wegen Salman Rushdie den Messeauftritt ab und rief zu Protest auf. Der Ehrengast Indonesien zeigte indes, dass ein liberaler Islam möglich ist.

Mit einem Bekenntnis zur Meinungsfreiheit hat am Mittwoch die 67. Frankfurter Buchmesse begonnen. Freiheit ist nicht möglich ohne die Freiheit des Wortes: Bücher leisteten einen zentralen Beitrag, in einer „Welt in Aufruhr“ Frieden zu stiften, sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Dienstag bei der Eröffnung. „Die Meinungs- und Publikationsfreiheit sind keine verhandelbaren Werte, denn sie sind die Grundlage einer freien, demokratischen Gesellschaft.“

Ab diesem Mittwoch zeigen mehr als 7000 Aussteller aus über 100 Ländern ihre Produkte. Bis zum Sonntag werden bis zu 300.000 Besucher und 10.000 Journalisten erwartet. Die Buchmesse sei „ein Ort, an dem wir die Welt größer machen, damit darin Platz ist für die Gedanken aller“, sagte Buchmessen-Direktor Juergen Boos bei der Eröffnung.

Ehrengast in diesem Jahr ist Indonesien. Der Gastlandauftritt steht unter dem Motto „17.000 Inseln der Imagination“. Indonesien - das größte muslimische Land der Welt - beweise, „dass ein aufgeklärter, ein liberaler Islam möglich ist“.

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Meterhohe Laternen umgrenzen im Gastland-Pavillon sieben Inseln, die für die 17.000 Inseln des indonesischen Archipels stehen. Es sei „eine große Ehre und Freude“, dass das in Europa weitgehend unbekannte Land als Ehrengast ausgewählt worden sei, sagte Anies Rasyid Baswedan, der indonesische Kulturminister. Indonesien habe 250 Millionen Einwohner und 400 Sprachen.

Bei der Eröffnungspressekonferenz am Vormittag hatte der vom Tode bedrohte Autor Salman Rushdie zum weltweiten Kampf für die Meinungsfreiheit aufgerufen. Sie sei nicht nur von religiöser Intoleranz bedroht, sondern auch von falsch verstandenem Liberalismus. „Die Freiheit des Wortes ist ein universelles Recht der Menschheit. Ohne diese Freiheit muss jede andere Freiheit scheitern“, sagte Rushdie, der 1989 im Iran mit einer „Fatwa“ belegt wurde.

Aus Protest gegen den Auftritt des als antiislamisch empfundenen Autors hatte der Iran seine Messe-Teilnahme abgesagt. Das habe ihn „sehr enttäuscht“, sagte Buchmessen-Direktor Boos. „Aber die Freiheit des Wortes ist nicht verhandelbar.“ Einige iranische Verleger und Autoren sind trotz der staatlichen Absage nach Frankfurt gekommen.

Der Iran rief am Dienstag erneut zu Protestaktionen gegen den Auftritt des Schriftstellers Rushdie auf. „Wir sind sicher, dass muslimische Verleger ihrer Verantwortung diesbezüglich bewusst sind und dementsprechend auch gegen diesen Auftritt protestieren werden“, sagte Vizekultusminister Abbas Salehi der Nachrichtenagentur IRNA.

Der deutsche Buchhandel sieht sich trotz eines leichten Umsatzrückgangs auf einem guten Weg. Bis Ende September sanken die Umsätze im Buchmarkt zwar um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies sage über die Marktentwicklung aber nicht viel aus, betonte Riethmüller. Dem deutschen Buchmarkt gehe es gut. Das Ergebnis vorausgegangener Jahre sei geprägt gewesen von einzelnen, besonders starken Titeln wie „Fifty Shades of Grey“.

Im Jahr 2014 lag der Umsatz auf dem deutschen Buchmarkt bei etwa 9,32 Milliarden Euro. Die Ausgaben für Bücher in Deutschland gehen indes zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtete. Für Bücher - vom Roman bis zum Lehrbuch - gaben die Haushalte 2013 nur noch 132 Euro aus - zehn Jahre zuvor waren es noch 168 Euro.


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