Gerichtssplitter

5000 Kinderpornos: Tiroler aufgeflogen

Bei einer internationalen Fahndungsaktion gegen Internet-Kinderpornografie geriet deutschen Ermittlern auch ein 41-jähriger Tiroler ins Netz...

Bei einer internationalen Fahndungsaktion gegen Internet-Kinderpornografie geriet deutschen Ermittlern auch ein 41-jähriger Tiroler ins Netz. Sie hatten über die Überwachung von einschlägigen Portalen einen großen Fisch an Land gezogen. Hatte der in seiner Gemeinde bekannte Unternehmer doch nicht nur 125 solcher Dateien mit Gleichgesinnten getauscht. Eine PC-Beschlagnahme offenbarte zudem „zumindest 5000“ Bilder – meist von Buben. Gestern am Landesgericht zeigte sich der wegen pornografischer Darstellung Minderjähriger Angeklagte überaus geläutert. Verteidiger Martin Wolf übergab zum Beweis Unterlagen über eine angetretene Psychotherapie. Auf die Frage nach dem Warum antwortete der 41-Jährige Richterin Sandra Preßlaber, dass er über das Tauschportal schnell in einen Teufelskreislauf gekommen wäre: „Ich bin zwar schwul, aber nicht pädophil, weiß der Teufel, was mich da geritten hat.“ Glaubhaft für Richterin Preßlaber, die dem Unbescholtenen zugutehielt, dass er der Polizei gleich alle Zugangscodes preisgegeben hatte. Sechs Monate Haft ergingen deshalb bedingt. Dazu kommen aber 3600 Euro Geldstrafe, Tausende Euro an EDV-Gutachterkosten und eine Weisung auf Fortsetzung der Therapie.

Zwei Freisprüche ergingen indes bei Prozessen zwischenmenschlicher Natur. Einmal standen sich Hausnachbarn gegenüber. Ein Pensionist sollte seine Nachbarin gefährlich bedroht und die Familie „nebenan“ auch sonst über Jahre alles geheißen haben. Die Antwort auf den Auslöser des Terrors machte sogar Richter Norbert Hofer stutzig: „Ja, wir streiten seit Jahren. Und wissen eigentlich nicht warum!“

Nicht viel besser als eine gehobene Innsbrucker Familie. Im Kampf um die Tagebücher der Großmutter ging es nach dem Zivilgericht nun auch noch zum Strafgericht. Dort sollte die 62-jährige Angeklagte ihren Bruder damit genötigt haben, dass er sie in ihrer Jugend einmal missbraucht hätte und sie dies nun öffentlich machen werde. Dem ohnehin schon lange verjährten Vorwurf wurde keine Nötigungsqualität zugestanden. (fell)