Innenpolitik

SPÖ-Zentrale sammelt jetzt Unterschriften für Faymann

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Michael Häupl sondiert mit den Rathausparteien – und die Parteizentrale antwortet den Faymann-Kritikern mit eigener Unterschriften-Liste.

Von Michael Sprenger

Wien –In der Löwelstraße steigt die Nervosität. Der Wiener Wahlabend feuerte unter Sozialdemokraten erneut die Debatte über eine bevorstehende Ablöse an. „Für Werner Faymann brachte dieses Wahlergebnis das für ihn gefährlichste Wahlergebnis. Michael Häupl ist trotz dieser Verluste stärker als je zuvor. Und wenn Häupl am Wahl- abend von der Reform der Sozialdemokratie gesprochen hat, dann kann man davon ausgehen, dass er dabei nicht nur die Wiener SPÖ gemeint hat“, sagte ein hochrangiger Parteifunktionär.

Und wer soll Faymann ablösen? Der frühere ORF-General Gerhard Zeiler oder ÖBB-Chef Christian Kern. Obwohl Zeiler eine Nähe zu Häupl hat, wird Kern als die klar bessere Option gesehen.

Wie nervös die SPÖ ist, ist schon an der Reaktion der Parteizentrale auf die SPÖ-Initiative „Wir wollen mehr“ abzulesen. Konkret fordert diese Initiative eine „Erneuerung“ der Bundespartei. Unter anderem wird Werner Fay­mann in einem offenen Brief aufgefordert, seine Funktion als Bundesparteivorsitzender zur Verfügung zu stellen.

Diese Internetplattform hat alles andere als einen regen Zulauf. Trotzdem telefonierte Parteimanager Gerhard Schmid die heimischen Redaktionen durch, um seinen Unmut über diese Aktion kundzutun. Damit schaffte es Schmid, erst die Aufmerksamkeit auf diese Aktion zu lenken (Streisand-Effekt). Und in der Tat: Auf der Internet-Unterschriftenliste finden sich ein paar illustre Namen wie der frühere Sozialminister Erwin Buchinger, Ex-Büroleiter von Barbara Prammer, und Botschafter Helfried Carl oder der Spitzendiplomat und frühere Sekretär von Bruno Kreisky, Wolfgang Petritsch.

In der SPÖ weist man darauf hin, dass auf der Liste auch Nicht-Mitglieder der SPÖ aufscheinen. Sogar FPÖ-Funktionäre haben unterschrieben. Darüber zeigt sich auch Rudolf Gelbard (Bund sozialdemokratischer Freiheitskämpfer) sehr erstaunt.

Zugleich wird von der Löwelstraße eine neue Unterschriftenliste initiiert. Eine Art Gegenliste? Das will man in der Parteizentrale so nicht sagen. Fakt ist, dass seit gestern eine Liste zum Unterschriftensammeln online steht. „Es handelt ich um eine Initiative rund um Landeshauptmann Peter Kaiser, Willi Mernyi, Kathi Kucharowits, Matthias Stadler, Werner Gruber und vielen mehr, die sich für die Fortsetzung der Politik der Menschlichkeit von Werner Faymann und gegen Schwarz-Blau aussprechen“, hieß es aus der Löwelstraße.

In der Wiener SPÖ begann am Mittwoch das Sondieren einer neuen Stadtregierung. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) haben sich zum ersten Mal nach der Wien-Wahl getroffen. Es sei ein „gutes Gespräch in vertrauter Atmosphäre und vertrauter Zusammensetzung gewesen“. Inhaltliches wurde nicht preisgegeben. Häupl wurde von Parteisekretär Georg Niedermühlbichler und Klubobmann Rudolf Schicker begleitet. Die grüne Vizebürgermeisterin kam mit Landessprecher Georg Prack und Klubchef David Ellensohn.

Häupl will die Sondierungsgespräche mit allen Rathausparteien führen.