Mehr Frauenstimmen in der Gemeindepolitik erwünscht

Von 376 Mandataren im Bezirk Landeck sind 37 weiblich – der Anteil liegt bei 10,2 Prozent. Drei Frauen geben Einblick in ihr politisches Leben.

Die Gemeinderätinnen Anita Posch (ÖVP), Gaby Greuter (FPÖ) und Roswitha Lentsch (SPÖ) mischen bei politischen Entscheidungebn mit. Kommunalpolitik sei nicht unbedingt eine „staubtockene Sache“.
© ÖVP, Wenzel, Zangerl

Landeck –Keine Bürgermeisterin, keine Vizebürgermeisterin, nur 37 von insgesamt 376 Gemeinderatsmitgliedern im Tourismusbezirk sind Frauen. Womit Landeck eine der niedrigsten Frauenquoten aller Tiroler Bezirke haben dürfte. Warum ist das so? Der Lader Bürgermeister Toni Netzer blickt auf die Gemeinderatswahl 2010 zurück: „Leider ist es mir nicht gelungen, eine Frau zu motivieren, die an wählbarer Stelle auf unsere Liste geht.“ Der Gemeinderat von Ladis ist derzeit eine reine Männerriege. „Ich kann nur bedauern, dass wir keine weibliche Stimme haben.“

Ladis ist kein Einzelfall. Was sagen die Frauen selbst zu ihrer Minderheitensituation in den Dorfparlamenten? Anita Posch (ÖVP) ist eine von drei Gemeinderätinnen in Fließ: „Ich bin überzeugt, dass jede Frau sich trauen und es sich zutrauen kann, Gemeinderätin zu werden.“ Das Argument Zeitmangel lässt sie nicht gelten. Als Unternehmerin sei sie gefordert, sich an einen Zeitplan zu halten. „Wir brauchen mehr Frauen in der Politik. Frauen haben eine ganz andere Denkweise als Männer“, plädiert sie. Man könne bei vielen Entscheidungen mitreden und mitbestimmen, „auch bei Sachen, über die man früher vielleicht geschimpft hat“.

Manchmal sei es schwierig, die Familie nicht zu vernachlässigen, räumt Posch ein. Vor dem Politik-Einstieg habe sie den vom Land angebotenen Lehrgang „Nüsse knacken, Früchte ernten“ gemacht.

Die Landecker Unternehmerin Gaby Greuter war zunächst sechs Jahre Ersatzgemeinderätin, bevor sie 2010 als Mandatarin für die FPÖ in das Stadtparlament einzog. Sie ist in sieben Ausschüssen tätig. „Da kommt einiges zusammen“, resümiert sie. „Wenn ich eine Familie mit Kindern hätte, könnte ich das nicht machen.“ Von Frauenquoten in der Politik halte sie nicht allzu viel. „Wichtig ist, dass gute Politik für die Bevölkerung gemacht wird, wichtig ist dabei unternehmerisches Denken.“ Sie habe Verständnis, wenn Frauen sagen, Familie, Beruf und politisches Mandat seien schwer unter einen Hut zu bringen. Am meisten interessiere sie sich für Raumplanung und Finanzpolitik, verriet Greuter.

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Seit 2004 ist SPÖ-Mandatarin Roswitha Lentsch, Lehrerin von Beruf, im Zammer Gemeinderat aktiv. Auch sie sieht ihren Einsatz mit großem zeitlichen Aufwand verknüpft. „Es wartet ja nicht nur Arbeit in den Ausschüssen sowie bei den Vorbereitungen dazu. Von uns wird auch verlangt, bei diversen Veranstaltungen präsent zu sein“, schildert sie. Glänzt man durch Abwesenheit, kämen prompt gewisse Vorwürfe.

Die Themenlage in Zams findet Lentsch interessant, „wobei mein Schwerpunkt der Sozialbereich ist“. Dass mehr Frauen in der Gemeindepolitik tätig sein sollen, könne sie sich nur wünschen. „Den Einstieg empfehle ich vor allem jüngeren Frauen, die mehr Zeit haben.“ (hwe)


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