„Schutzbefohlene“, Schleuser und Schlepper

In München und Wien stehen an diesem Wochenende Theaterprojekte mit und über den Umgang mit geflohenen Menschen am Programm.

© Thies_R_tzke

München, Wien –An den Münchner Kammerspielen laufen derzeit die Vorbereitungen für den „Open Border Kongress“. Das von 16. bis 18. Oktober angesetzte Kunstprojekt will mit Vorträgen, Diskussionen oder Theaterbeiträgen für offene Grenzen werben. Die „Internationale Schlepper- und Schleusertagung“, ein Teil der Veranstaltung, hat im Vorfeld für Aufruhr gesorgt. CSU-Politiker zeigten sich über die satirische Kunstaktion empört. Angesichts der brutalen Verbrechen von Schleppern wurde auch der Vorwurf des Zynismus erhoben. Der Dramaturg Björn Bicker, der gemeinsam mit dem Künstler Malte Jelden das Projekt leitet, kann die Zynismus-Vorwürfe nachvollziehen. Doch es gebe nach wie vor keine humanen Möglichkeiten, um vor Krieg zu fliehen, sagt Bicker im TT-Gespräch. „Diejenigen, die jetzt schreien, das sei zynisch, hat bisher wenig interessiert, dass in den letzten zehn Jahren 20.000 Menschen an den EU-Außengrenzen gestorben sind.“ Mit ihrem Projekt wollen sie das Theater von innen heraus „für Geflohene und das Thema Flucht, Ankunft und Asyl öffnen“. Der Kongress sei Auftakt für das „Munich Welcome Theatre“. „Wir wollen in diesen drei Tagen zeigen, wie es aussehen kann, wenn sich das Theater radikal und intensiv mit dem Thema beschäftigt.“ Das Thema treibt nicht nur die Münchner Theaterszene um. Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ wird derzeit in Hamburg, Leipzig und Berlin aufgeführt. Ab diesem Wochenende wird in Wien auch die Inszenierung „Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene“, die mit Asylwerbern aus Traiskirchen erarbeitet wurde, gezeigt. Die Premiere ist am Sonntag im Dschungel Wien, das Stück soll an verschiedenen Spielstätten gezeigt werden. (sire)

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