Tennis: Waber über Haas: „Ihr Kopf glaubt es noch nicht ganz“

Linz (APA) - Barbara Haas ist eine der Zukunfts-Aktien im aktuell von Erfolgserlebnissen nicht verwöhnten österreichischen Damen-Tennis. Die...

Linz (APA) - Barbara Haas ist eine der Zukunfts-Aktien im aktuell von Erfolgserlebnissen nicht verwöhnten österreichischen Damen-Tennis. Die auf Platz 240 gekletterte, 19-jährige Oberösterreicherin schied zwar am Dienstag in der ersten Runde des Generali Ladies Linz aus, hat aber eine neuerliche Talentprobe abgelegt. Nach nervösem Beginn bot sie der Nummer 38 der Welt, Barbora Strycova, durchaus Paroli.

0:6,7:6(5),4:6 lautete das Resultat gegen die Tschechin, doch der erste Satz entsprach nicht den Kräfteverhältnissen. Wie schon in Bad Gastein, als sie in diesem Jahr nach mehreren Matchbällen gegen Andreea Mitu ihren ersten Sieg auf der WTA-Tour verpasst hatte, verpatzte Haas Satz eins und steigerte sich mit Fortdauer des Spiels. „Ich muss in Zukunft viel mehr auf mich vertrauen und daran glauben und wissen, was ich eigentlich kann“, erkannte Haas.

Von großem Wert sind allerdings diese Chancen, sich auf WTA-Niveau gegen Topspielerinnen messen zu können. „Ich bin dankbar, dass ich gegen eine Weltranglisten-38. spielen durfte. Das ist eine Weltranglisten-Platzierung, wo ich eigentlich hin will. Ich sehe eigentlich, dass es nicht unmöglich ist, dorthin zu kommen“, erklärte der Teenager.

Der 19-jährige Schützling von Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber fliegt am Freitag nach Kolumbien (25.000 Dollar+H-Challenger auf Sand) und spielt dann drei 50.000er auf Hartplatz in den USA. Der große Wunsch: Dass sie es vielleicht noch schafft, erstmals den Cut für die Australian-Open-Qualifikation zu schaffen.

„Ich kann mich gut bewegen“, meinte Haas, befragt nach ihrer größten Stärke, sieht aber freilich in Bereichen wie Aufschlag, Return, Backhand und mental noch viel Potenzial zur Weiterentwicklung. Seit etwa einem halben Jahr arbeitet sich auch mit Fritz Weilharter als Mentaltrainer. Er hatte seinerzeit schon Sybille Bammer geholfen und ist im Team von Coach Waber.

Apropos Bammer: Die mittlerweile 35-jährige ehemalige Nummer 19 der Welt hilft Haas im Training. „Wir trainieren viermal die Woche, wenn ich da bin. Da geht es voll zur Sache. Ich kann extrem von ihr profitieren. Sybille ist noch auf einem Top-Niveau“, erzählte Haas lachend.

Haas, die derzeit ohne Sponsor dasteht und noch von den Reserven eines Investoren-Modells lebt, gilt als größte Hoffnung aus der Nachwuchsriege Österreichs. „Natürlich erwarten sich viele von mir, dass ich den Weg schaffe. Ich schaue, dass ich mich weiterentwickle, aber ich bin nicht die einzige.“

Jürgen Waber will den Ball flachhalten, nicht zuletzt um Haas zu schützen. Der Erwartungsdruck ist von der Öffentlichkeit, der Presse und Fans einfach da. „Warum schafft es keine Spielerin in Österreich - außer Mira Antonitsch in der Qualifikation -, wirklich unbeschwert hier zu spielen?“, fragt Waber im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. „Wer hat das gemacht? Tamira war mit 14, 15 unbeschwert und hat sensationelle Erfolge gefeiert. Ich würde es der Barbara so wünschen, dass sie mal da reingeht und unbeschwert drauflos spielt.“

Darum ist es Waber auch sehr wichtig, seinen Schützling behutsam an die WTA-Tour heranzuführen. Und auch Fragen, nach ihrem Ranking-Potenzial nicht zu beantworten. „Es ist sinnlos zu sagen, wo die Reise hingeht. Es muss Schritt für Schritt passieren. Sie muss sich spielerisch, geistig, mental weiterentwickeln.“

Und dieser Aufwärtstrend ist natürlich auch Waber bewusst. „Sie hat sich spielerisch weiterentwickelt. Nur der Kopf glaubt es noch nicht ganz, dass sie das wirklich durchspielen kann“, erklärt der Oberösterreicher. Und darum wolle er „den Ball flachhalten und erst feiern, wenn sie wirklich Erfolge feiert“.

In seiner Eigenschaft als Fed-Cup-Kapitän will Waber bald wieder aus dem Fast-Keller (Europa-Afrika-Zone 2) weiter nach oben klettern. „Ich freue mich darauf: es ist eine Phase, wo man etwas Neues aufbauen kann. Die Charaktere sind sehr angenehm, die Mädchen verstehen sich untereinander.“ Einen Spielort für 2016 gibt es übrigens vorerst noch nicht.


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