Economiesuisse besorgt über Freihandelsabkommen ohne Schweiz

Genf (APA/sda) - Der Präsident des Schweizer Wirtschaftsdachverbandes economiesuisse, Heinz Karrer, ist besorgt über die Freihandelsabkommen...

Genf (APA/sda) - Der Präsident des Schweizer Wirtschaftsdachverbandes economiesuisse, Heinz Karrer, ist besorgt über die Freihandelsabkommen, die derzeit weltweit ohne Beteiligung der Schweiz entstehen. Laut Karrer verlängert sich dadurch die Liste der Herausforderungen für die Schweizer Wirtschaft.

Insbesondere das transatlantische Freihandelsabkommen TTP bezeichnete Karrer in einem Interview mit der Online-Ausgabe der Westschweizer Zeitung „Tribune de Geneve“ und „24 Heures“ vom Mittwoch als „eine unserer größten Herausforderungen“. Gewiss habe die Schweiz auch Freihandelsabkommen unterzeichnet, besonders mit der EU, Kanada und China, aber sie müsse den Anschluss finden.

Zwölf Länder hatten sich Anfang Oktober in einer Grundsatzvereinbarung auf die Schaffung der wichtigsten Freihandelszone der Welt geeinigt. Dem neuen Wirtschaftsraum gehören die Wirtschaftsmächte USA und Japan an sowie Australien, Brunei, Kanada, Chile, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam.

Zusammen stehen diese Länder für rund 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Nicht dabei ist China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Europäische Union und die USA verhandeln über eine ähnliche, noch größere Allianz namens TTIP.

Diese bedeutenden Einigungen kämen zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Schwierigkeiten vergrößerten, sagte Karrer. Die Schweizer Wirtschaft habe bereits mit der Frankenstärke, den Folgen der Annahme der SVP-Initiative „Gegen die Masseneinwanderung“, einer wachsenden Zahl von Vorschriften sowie Steuerreformen zu kämpfen.

„Wenn wir den Anschluss nicht verpassen wollen, müssen wir uns auch stärker anstrengen“, sagte der Präsident des Wirtschaftsdachverbandes. Grund für ein Scheitern von Verhandlungen, zum Beispiel mit Washington, seien oft interne Probleme gewesen.

In jedem Land hätten Wirtschaftsvertreter unterschiedliche Interessen. In der Schweiz beispielsweise sei die Landwirtschaft für 1 Prozent des Bruttoinlandprodukts verantwortlich, habe aber politisch ein viel stärkeres Gewicht.

„Bei den laufenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Indien divergieren die Interessen ebenfalls“, sagte Karrer weiter. Die für die Schweiz bedeutende Pharmaindustrie etwa habe keine große Freude daran, dass Indien Generika fördere. Andere Branchen, wie die Maschinenindustrie, kämen hier viel mehr auf ihr Konto.


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