„Der Schatten einer Weltsammlung“: Albertina auf „Spurensuche“

Wien (APA) - Sie umfasste Blätter von Dürer, Rembrandt, Lorrain, Poussin oder Watteau - die Zeichnungssammlung des ehemals in Brünn ansässig...

Wien (APA) - Sie umfasste Blätter von Dürer, Rembrandt, Lorrain, Poussin oder Watteau - die Zeichnungssammlung des ehemals in Brünn ansässigen Rechtsanwalts Arthur Feldmann. In der Ausstellung, die ab morgen in der Albertina an diese bedeutende Kollektion erinnert, sind diese Namen nicht zu finden. „Es ist der Schatten einer Weltsammlung“, sagte Direktor Klaus Albrecht Schröder heute bei einer Pressekonferenz.

„Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina“ zeigt in zwei Räumen der Albertina-Prunkräume jene 30 Blätter, die seit 2011 durch Schenkungen des Feldmann-Enkels Uri Peled-Feldmann in den Besitz des Hauses kamen. Die Schau und die begleitende Publikation in der Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung sollen nicht nur den Dank für die großzügige Schenkung, sondern auch Hilfestellung bei der von Uri Peled-Feldmann betriebenen Rekonstruktion der in den 1920er Jahren rund 800 Werke zählenden Sammlung Feldmanns leisten.

„Es ist wichtig, dass diese Sammlerpersönlichkeit bekannt wird, damit Museen und Sammler auf sie aufmerksam werden“, nahm Kurator Achim Gnann darauf Bezug, dass erst ein Teil der in die ganze Welt verstreuten Werke wieder lokalisiert werden konnte. Sogar die Albertina hatte im guten Glauben 1989 im Dorotheum eine Zeichnung aus dem Vorbesitz der Sammlung Feldmann erworben („Landschaft mit einem Felsenblock“) und nach erster Ablehnung durch den Kunstrückgabebeirat bei einer neuerlichen Behandlung des Falls 2008 restituiert. Das Blatt befindet sich heute im Israel-Museum in Jerusalem.

Die Brünner Villa von Arthur Feldmann (1877-1941) wurde nach Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten 1939 mitsamt der Kunstwerke beschlagnahmt. Feldmann starb 1941 an einem Hirnschlag, seine Ehefrau wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Die beiden Söhne konnten fliehen, der Enkel bemüht sich seit einiger Zeit darum, das Wirken seines Großvaters der Vergessenheit zu entreißen. Er habe besonderen Wert darauf gelegt, dass die Kabinettausstellung nun in jenen Räumen gezeigt werde, in denen Arthur Feldmann früher viele Stunden an der Seite des damaligen Albertina-Direktors Otto Benesch verbracht habe, sagte Schröder.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

An der Pressekonferenz wollte Uri Peled-Feldmann ebenso wenig teilnehmen wie an der Eröffnung heute Abend. Das zeige deutlich, wie sehr Schmerz und Trauer über die damaligen Ereignisse noch immer allgegenwärtig seien. „Auch wir können mit der Ausstellung nichts wieder gutmachen, aber wir können erinnern.“

(S E R V I C E - „Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina“, Ausstellung in der Albertina, 15.10. bis 29.11., tgl. 10-18 Uhr, Mi 10-21 Uhr, Publikation als Sonderband der Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung, 30 Euro, www.albertina.at)


Kommentieren