Kunst mit bitterem Beigeschmack: Wiener Schau über Essens-“Migration“

Wien (APA) - Kartoffel, Mais und Quinoa im Gemeindebau: Was nach Volkshochschul-Kochkurs klingt, ist eine künstlerische Betrachtung der Migr...

Wien (APA) - Kartoffel, Mais und Quinoa im Gemeindebau: Was nach Volkshochschul-Kochkurs klingt, ist eine künstlerische Betrachtung der Migration in der Esskultur. Die Wiener Schau „9000 km Häppchen - wanderndes Wissen“ geht auf Spurensuche nach den Ursprüngen alltäglicher Grundnahrungsmittel und thematisiert dabei Tradition, Kolonialismus und Ausbeutung.

Mit der grundsätzlich recht überschaubaren Ausstellung, die ab Freitag bis zum 29. Oktober zu sehen ist, will man gewissermaßen Gusto für das inzwischen biennal stattfindende Kulturfestival „Soho in Ottakring“ machen. Dieses findet im Sommer 2016 das nächste Mal unter dem Motto „In aller Munde“ statt. Mit der kreativen Bespielung unterschiedlicher Locations will man Kunst aus den Innenstadtbezirken in die Peripherie bringen.

Insofern ist das frühere Kino des Ottakringer Sandleitenhofs, einem der größten Gemeindebauten der Stadt, ein logischer Ort für die jetzige Ausstellung. Werke von sechs Künstlern setzen sich mit historischen und soziokulturellen Aspekten von Agrarprodukten auseinander, die eines gemeinsam haben: Ihre Wurzeln finden sich alle in Lateinamerika, von wo aus sie im Lauf der Jahrhunderte ihren Siegeszug auch nach Europa angetreten haben.

Sandra Monterroso, geboren in Guatemala, will mit ihrem aus lediglich gelben Maiskörnen gebildeten Schriftzug „XYI RIYAJIL“ (auf Deutsch: Herkunfts- oder Ursprungszentrum) auf die Zerstörung der Vielfalt durch Monokultur und Großkonzerne hinweisen, wie sie am Donnerstag bei einer Presseführung erklärte. Denn Mais gebe es auch mit roten, schwarzen oder weißen Körnern.

Mit der Kartoffel, im Prä-Inka-Zeitalter in Südamerika von einer ungenießbaren Urfrucht zum essbaren Grundnahrungsmittel in mehr als 3.000 Sorten veredelt, setzt sich beispielsweise Baduc Gibaja Pacheco (Peru) auseinander. Er zeigt Fotografien, auf denen Bilder von Erdäpfeln auf nackte Menschenkörper projiziert werden. Der davor gespannte Stacheldrahtzaun soll auch auf die aktuelle Flüchtlingsthematik verweisen, erklärte Kurator Hansel Sato.

Er stammt ebenfalls aus Peru und ist mit einer Arbeit vertreten, in der er sich mit den erst in jüngster Zeit auf westlichen Tellern servierten Körnern beschäftigt. Mittels Comic erzählt er die Kulturgeschichte von Quinoa nach, das ursprünglich aus den peruanischen Anden stammt und derzeit als „Supergetreide“ gelte, sagt Sato. Allerdings mit Folgen: Denn das einst als Armenspeise geltende Nahrungsmittel ist durch den Exportboom inzwischen für die Durchschnittsbevölkerung in den Herkunftsländern kaum noch leistbar.

(S E R V I C E - „9000 km Häppchen - wanderndes Wissen. Künstlerische Sichtweisen auf Migration in der Esskultur am Beispiel von Mais, Erdäpfeln und Quinoa“ im Alten Kino Sandleitenhof, Liebknechtgasse 30-34, 1160 Wien, 16. bis 29. Oktober, Dienstag bis Sonntag, 14.00 bis 19.00 Uhr; http://www.sohoinottakring.at)


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