Nach Wien-Wahl - Rot und Blau liegen im Gemeindebau fast gleichauf

Wien (APA) - Im Gemeindebau geht es knapp zu: Die FPÖ ist der SPÖ in den städtischen Wohnhausanlagen dicht auf den Fersen. Das belegen nun a...

Wien (APA) - Im Gemeindebau geht es knapp zu: Die FPÖ ist der SPÖ in den städtischen Wohnhausanlagen dicht auf den Fersen. Das belegen nun auch Zahlen. In jenen Wahlsprengeln, in denen der Gemeindebauanteil 100 Prozent beträgt, kamen die Roten bei der Wien-Wahl am Sonntag auf 44,17 Prozent, die Blauen auf 43,37. Das berichtete Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) am Donnerstag im Gespräch mit Journalisten.

Insgesamt 500.000 Menschen leben in den 2.000 kommunalen Wohnhäusern - darunter Großkomplexe wie der Karl-Marx-Hof in Döbling, aber auch kleinere Einheiten. Welche Gemeindebauten wie gewählt haben, kann nicht exakt eruiert werden. Denn: Zahlreiche Sprengel beinhalten sowohl Gemeindebauten als auch andere - also entweder genossenschaftliche oder private - Wohnanlagen.

In den Mischsprengeln sieht es für die Sozialdemokraten unerfreulich aus: Dort, wo der Gemeindebau-Anteil zwischen 60 und 99 Prozent beträgt, lag die SPÖ mit 42,18 Prozent nur auf Platz zwei. Die FP lag mit 42,71 Prozent hauchdünn voran.

Aber auch die rote Top-Platzierung in den 100-Prozent-Sprengeln sorgt beim Ressortchef nicht für Jubel: „Die SPÖ hat den Gemeindebau sehr wohl gehalten. Das Wahlergebnis dort ist für die SPÖ aber nicht zufriedenstellend.“ Immerhin, so betonte er, liege die SPÖ deutlich über dem Resultat für Gesamt-Wien (39,59 Prozent, Anm.).

Tatsächlich spielen die anderen Parteien nur eine geringe Rolle. In den reinen Gemeindebau-Sprengeln kommen etwa die Grünen nur auf insgesamt 2,87 Prozent, die ÖVP liegt hier (anders als beim Gesamtergebnis, Anm.) mit 3,2 Prozent sogar leicht vor der Öko-Partei. Die NEOS sind mit 1,95 Prozent weit abgeschlagen.

Ludwig mutmaßt, dass auch in den Mischsprengeln die SPÖ stärkste Kraft wäre, nämlich dann, wenn man die Wahlkartenergebnisse mitberücksichtigen würde. Die werden jedoch bezirksweise ausgezählt. Sprengelergebnisse mit Wahlkarten - von denen die SPÖ tendenziell stärker profitiert als die FPÖ - gibt es nicht.

Ein einfache Erklärung für die FPÖ-Erfolge hat der SP-Politiker keine parat, wie er versicherte. Die Resultate seien in den einzelnen Sprengeln auch höchst unterschiedlich. Auffällig sei zudem, dass die SPÖ in großen Bauten wie dem Schöpfwerk oder dem Karl-Marx-Hof relativ deutlich vor den Freiheitlichen liege.

Generell sei es der FPÖ offenbar gelungen, Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder Bewohner, die Angst vor sozialem Abstieg haben, für sich zu gewinnen. Wobei das nicht nur im Gemeindebau der Fall sei, vermutete Ludwig. Und: Die FPÖ verfüge inzwischen auch über einen hohen Stammwähleranteil, schätzt er. Dass könne etwa erklären, warum die FPÖ im Stadtentwicklungsgebiet in Aspern erfolgreich war. Die Neumieter dort hätten ihr Wahlverhalten vermutlich nicht geändert, nur weil sie umgezogen seien.

Ludwig will nun die Maßnahmen zur Betreuung der Gemeindebauten verstärken. Wobei hier die gesamte SPÖ Wien gefordert sei, da sich das Thema nicht nur auf den Gemeindebau beschränke, so der Stadtrat.

(Grafik 1197-15, 88 x 55 mm)


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