Egon Schöpf feiert seinen 90er: Ein bisserl Lausbua geht immer

Eine Sportlegende oder ein Tiroler Original? Egon Schöpf verkörpert wohl beides und schrieb in den verschiedensten Sportarten und Lebensbereichen prägende Kapitel. Heute feiert er seinen Neunziger.

Ein Schöpf kommt selten alleine: der Jubilar mit Gattin Inge.
© Kammerlander

Von Fred Steinacher

Innsbruck –Er war erfolgreich als Skirennläufer, Handballer, Rallyepilot, er galt und gilt nach wie vor als Energiebündel und Tausendsassa, Schmähbruder, Sport-Ass, Familienmensch. Und heute Freitag feiert er in alter Frische seinen 90er – Egon Schöpf!

Egon wer???? Die Frage, die sich dem geneigten Leser spontan aufdrängt, mag berechtigt sein in der heute schnelllebigen Zeit, aber würde der Jubilar just an seinem Jubeltag die Runde seiner vielen Freunde um sich versammeln und in der Schmankerl-Kiste kramen – es wäre der Beginn einer unendlichen Geschichte.

Ist der Egon nun ein Tiroler Original oder eine Sportlegende? Oder beides? Ansichtssache. Ganz sicher aber ist der gebürtige Innsbrucker eine Persönlichkeit, deren Name als Synonym steht für Ehrgeiz, Talent, Fleiß, für Erfolg und Hilfsbereitschaft – und Durchsetzungsvermögen.

Die Skikarriere startete so richtig – kriegsbedingt – erst 1946, ein Jahr später holte der 22-Jährige als Kartografie-Student dreimal Gold bei der Akademischen WM. Dem Studien-Abbruch folgten Siege in Kitzbühel (1949 Abfahrt, Slalom, Kombination), Villars, am Monte Canin oder auf der Marmolata und Seefeld. Und als Höhepunkt Abfahrtsbronze bei der WM in Aspen (1959), knapp geschlagen vom Italiener Colo und dem Franzosen Couttet.

Egon, der Draufgänger: Sieg oder Spital, für ihn gab es nur entweder oder; lange Zeit ging alles gut, doch nach kurzer Schaffenspause endete das Comeback bei den Olympischen Spielen 1952 im Fiasko. Erst der Sturz im RTL, dann in der Abfahrt die „Begegnung“ mit einem Bretterzaun – Endstation Klinik in Oslo und Ende der Ski-Karriere. Aber der Sport-Hunger war längst nicht gestillt.

Egon Schöpf 1949 in Bad Gastein. In diesem Jahr gewann er in Kitzbühel Abfahrt, Slalom und Kombi.
© privat

Egon, der Rallyesieger: Als Handballer schaffte er es ins Nationalteam, traf gegen Frankreich sogar ins Schwarze, mit einem DKW setzte er als Sieger bei der Semperit-Rallye neue Maßstäbe. Dass sein damals etatmäßiger Co-Pilot Russinger „krankheitsbedingt“ verweigerte, verwundert vor allem jene nicht, die noch Jahre danach mit dem Egon mitfahren durften. Wie der Autor dieser Zeilen, der sich nach einer Rekordfahrt von Innsbruck nach Val d’Isere schwor, nie wieder in die Nähe des Beifahrersitzes eines von Schöpf gesteuerten Autos zu kommen.

Egon, der Einfallsreiche: So manchen Sieg am Hahnenkamm oder Lauberhorn hatte Karl Schranz seinem Rennbetreuer zu verdanken, dem Erfinder der Zwischenzeit-Taferl. Hanegg-Schuss oder Hausbergkante, wo immer der Egon am Pistenrand mit seinem Taferl (plus oder minus) auftauchte, wusste Karl, was er zu tun hatte.

Egon, der Trickser: Weil seine Ski plötzlich verschwunden waren, montierte er auf Rikki Mahringers Latten die Bindung um und gewann die österreichische Abfahrtsmeisterschaft.

Egon, der Gentleman: Als Revanche lieh der Jubilar bei den türkischen Meisterschaften Rikki seine langen Ski, die damit auf der leichten Strecke der Damen-Konkurrenz um die Ohren fuhr; zum großen Ärger von Favoritin Anneliese Schuh-Proxauf.

Dass der Egon als Coach von Marc Girardelli bei einer Mannschaftsführersitzung eingeschlafen war, ist Fakt, dass die Wolle seiner Schafwoll-Ski-Stutzen, die er einst in der Türkei gewonnen hatte, sogar jetzt noch nachwächst, kann indes nicht einmal Ehefrau Inge bestätigen, wohl aber dass der dreifache Familienvater im Winter ab und zu als Frühstückskellner im „Edelweiß“ in St. Anton aushilft.

Und wenn er jetzt – mit dem ihm eigenen verschmitzten Lächeln – den Golfschläger schwingt oder seine Enkerl betreut, dann ist in seinen Augen immer noch jener Lausbua zu erkennen, der auf faszinierende Erlebnisse aus neun Jahrzehnten zurückblicken darf.

Alles Gute, Egon!


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