Die Tonspuren des Bösen

Bernhard Aichners Hörspiel „Play“ ist ein mörderischer Trip in die Vergangenheit.

© Andreas Rottensteiner / TT

Innsbruck –Bernhard Aichner mag’s mörderisch, wenn der Bestseller-Autor und Schöpfer der blutrünstigen Bestatterin Brünhilde Blum die Finger im Spiel hat, geht dieses meist mit dem Tod aus. Sein Hörspiel „Play“, das vergangene Woche im ORF-Kulturhaus Tirol aufgeführt wurde, fängt mit dem Tod an. Der junge Arzt Boris (Gerhard Kasal) findet im Radio seines Traumautos eine Kassette aus den 1980er-Jahren. Er legt sie ein und sich fast nieder: Eine gewisse Erna Hübsch (Bettina Redlich) plaudert da freimütig über den Mord an ihrem Luftikus-Gatten. Reporterin Lore (Ute Heidorn) dokumentiert das Geständnis, für das sich einst offenbar niemand wirklich interessierte. Schließlich gab es keine wirklichen Beweise für das Verbrechen. Oder war die Erna nur hübsch schlau?

In der bedachten Regie des Hörspiel-Virtuosen Martin Sailer und dank der fesselnden Stimmgewalt der Sprecher wird der Zuhörer auf eine spannende Spurensuche entführt, die geschickt zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelt. Und sich schön langsam zum Thriller entwickelt, dessen Finale an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Aber „Play“ bietet nicht nur Raum für mörderische Spannung, sondern lässt einen auch hin und wieder schmunzeln – vor allem dann, wenn der Verzehr eines Raider-Riegels nostalgisch an die Eighties gemahnt. Überhaupt schwebt ein Hauch von Nostalgie über dem Hörspiel-Format: Sich zurücklehnen, die Augen schließen und zuhören ist in unserer rasanten Gegenwart schließlich ein Luxus, den man sich viel zu selten gönnt. Da ist es dann auch verziehen, dass mancher Handlungsstrang etwas zu einfach gestrickt ist. Ein Hinhörer ist das mörderische Spiel allemal. Eine Anregung, mal wieder im Kassettenfundus zu kramen, auch. (fach)


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