Flüchtlinge - Kroatien hat Plan bei Grenzschließung durch Ungarn

Zagreb/Ljubljana (APA) - Kroatien habe in Flüchtlingskrise eine Lösung ungeachtet der künftigen Handlungen Ungarns an der Hand. Das sagte Pr...

Zagreb/Ljubljana (APA) - Kroatien habe in Flüchtlingskrise eine Lösung ungeachtet der künftigen Handlungen Ungarns an der Hand. Das sagte Premier Zoran Milanovic im Vorfeld einer ungarischen Entscheidung über eine mögliche Schließung der Grenze zu Kroatien. Nach Einschätzung des slowenischen Premiers Miro Cerar besteht eine „reale Möglichkeit“, dass es in den nächsten Tagen zu einer „größeren Sperre“ kommt.

„Kroatien hat eine Lösung. Ungarn ist dabei nicht wichtig, es kann machen, was es will. Wir haben einen Plan, wonach Kroatien sicher bleibt und die Bürger keine Probleme haben. Das ist in diesem Moment das Wichtigste“, sagte Regierungschef Milanovic laut der kroatischen Nachrichtenagentur Hina am Freitag in Brüssel, wo er am Rande des EU-Gipfels auch mit seinem ungarischen Amtskollegen Viktor Orban zusammentraf.

Die EU hat laut Milanovic kein Verständnis für die ungarische Flüchtlingspolitik. „Allerdings - es ist, wie es ist“, fügte er hinzu. Kroatien habe eine Variante, um seine Interessen zu schützen. Konkretes für den Fall, dass man die Flüchtlinge auf ihrem Weg auf der Balkanroute künftig nicht mehr weiter nach Ungarn leiten könnte, enthüllte Milanovic allerdings nicht. „Es besteht immer die Möglichkeit, dass Kroatien einen Zaun baut. Das wäre die letzte Möglichkeit. Das wünschen wir nicht“, betonte er lediglich. Gegen einen Zaun an der Grenze zu Serbien, dessen Bau Kroatiens Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic nicht mehr ausgeschlossen hat, sprachen sich am Donnerstag sowohl die Außenministerin Vesna Pusic als auch Innenminister Ranko Ostojic aus.

Im Fall einer Grenzschließung durch Ungarn stellten die kroatischen Behörden bisher immer wieder die Möglichkeit in Aussicht, die Flüchtlinge nach Slowenien umzuleiten. Seit Kroatien vor einem Monat zu einem Transitland wurde, kamen dort mehr als 183.500 Flüchtlinge an. Fast alle wurden nach Ungarn weitergeleitet, nur rund 3.500 reisten in den ersten Tagen nach Slowenien weiter.

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Auch Slowenien rechnet im Fall einer Grenzschließung durch Ungarn mit einer Umleitung des Flüchtlingsstroms, intensive Vorbereitungen auf dieses Szenario laufen bereits. „Wir sind vorbereitet, wünschen uns aber solche einseitigen Handlungen nicht“, sagte Regierungschef Cerar laut slowenischer Nachrichtenagentur STA in Brüssel. Das hob er auch in einem Gespräch mit ungarischen Kollegen hervor.

Der slowenische Premier warnte vor einem Domino-Effekt. Eine totale Grenzschließung könnte zur Folge haben, dass andere betroffene Länder zu ähnlichen Maßnahmen gezwungen wären. „Wenn sich nördlich von uns die Grenzen schließen würden oder die Grenzkontrollen deutlich verstärkt würden, dann werden wir in Slowenien auf verhältnismäßig gleiche Weise handeln. Wir können nicht zulassen, dass Slowenien von einer unkontrollierten Zahl von Flüchtlingen und Migranten überschwemmt wird“, sagte Cerar laut STA.

Die Gründe für eine etwaige Entscheidung Ungarns, die Grenze mit Kroatien zu schließen, sind laut Cerar nicht ganz klar. Die Entscheidung wäre nachvollziehbar, wenn Österreich und Deutschland die Kontrollen verschärfen würden. „Unter den jetzigen Umständen kann man eine solch radikale Vorgehensweise schwer verstehen“, so der slowenische Premier.


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