Mini-Inflation bereitet Euro-Währungshütern Kopfzerbrechen

Frankfurt (APA/Reuters) - Die extrem niedrige Inflation wird für die Währungshüter des Euro immer mehr zum Problem. Denn seit Monaten drücke...

Frankfurt (APA/Reuters) - Die extrem niedrige Inflation wird für die Währungshüter des Euro immer mehr zum Problem. Denn seit Monaten drücken EZB-Chef Mario Draghi und seine Notenbank-Kollegen Woche für Woche mit dem Kauf von Staatsanleihen Milliarden in das Finanzsystem, um die Wirtschaft und auch die Inflation anzuheizen. Doch die Teuerungsrate im Euroraum ist zuletzt sogar wieder unter die Nulllinie gerutscht.

Zusätzlich droht die Weltkonjunktur an Fahrt zu verlieren. Die Sorgenfalten der Notenbanker nehmen also zu. Die Investoren an den Finanzmärkten wollen daher nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag auf Malta vor allem wissen, ob die Geldschleusen noch weiter geöffnet werden. Am Leitzins, der schon seit September 2014 auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent liegt, kann Draghi kaum mehr rütteln.

„Aus Sicht der meisten Notenbanker ist die Logik ganz einfach: Die Wirkung des Programms ist bisher offenbar nicht ausreichend. Daher muss die Dosis verstärkt werden“, so Helaba-Volkswirt Ulf Krauss. Bisher sieht das umstrittene EZB-Programm Käufe von monatlich 60 Milliarden Euro vor, Pfandbriefe und Hypotheken-Papiere eingeschlossen. Enden soll es im September 2016 mit einem Gesamtvolumen von 1,14 Billionen Euro. Das Ziel dabei: Anleihen-Käufe sollen für Banken unattraktiv werden. Sie sollen Geld stattdessen in Form von Krediten an Unternehmen und Haushalte vergeben.

Einer Reuters-Umfrage zufolge taxieren Volkswirte die Wahrscheinlichkeit einer Verlängerung des Programms derzeit auf 70 Prozent. Auf 40 Prozent stufen sie die Chance ein, dass das monatliche Volumen in den nächsten sechs Monaten erhöht wird.

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Hintergrund ist vor allem die Mini-Inflation. So sind die Preise in der Eurozone im September um 0,1 Prozent gefallen. Die EZB strebt aber einen positiven Wert von knapp unter zwei Prozent an. Dieser gilt als ideal für die Wirtschaftsentwicklung. Fallende Preise gelten dagegen als gefährlich, weil sich Konsumenten dann in der Erwartung zurückhalten, Produkte bald noch günstiger zu bekommen. Unternehmen verdienen dadurch weniger und schieben Investitionen auf - eine Abwärtsspirale kommt in Gang.

Nahrung gewinnen die Spekulationen auf eine Ausweitung der Anleihen-Käufe auch durch Äußerungen aus dem EZB-Rat. So forderte Österreichs Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny kürzlich mehr Anstrengungen zur Ankurbelung der Inflation. „Wir verfehlen eindeutig unser Ziel.“ Doch es gibt auch warnende Stimmen: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann glaubt nicht, dass eine noch expansivere Geldpolitik die Lösung ist. Kritiker befürchten durch das viele billige Geld Preisblasen an den Finanzmärkten - und damit die nächste Krise.

Nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg hält die EZB inzwischen bereits rund fünf Prozent aller im Zuge des Programms erwerbbaren Staatsanleihen - bei den deutschen Bundesanleihen sogar rund sieben Prozent. Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert sieht die Zeit noch nicht reif für eine Ausweitung der Käufe. „Draghi dürfte aber die Bereitschaft der Notenbank betonen, falls notwendig, die Dauer, das Volumen oder die Zusammensetzung des Kaufprogramms anzupassen.“

Auch die Volkswirte der Großbank HSBC erwarten am Donnerstag noch keine Entscheidung. „Zuletzt gab es mehrere Anzeichen dafür, dass die vergangenen Maßnahmen der Notenbank Wirkung zeigen.“ Die Kreditkosten seien in manchen Regionen deutlich gesunken und auch Beschränkungen bei der Kreditvergabe hätten abgenommen. Für die EZB-Entscheidung seien zudem die Konjunkturperspektiven wichtig: Einige Daten dazu stünden aber erst nach der Sitzung an. Auch Commerzbank-Experte Schubert rechnet damit, dass Draghi die neuen Konjunktur- und Inflationsprognosen der EZB noch abwarten wird, die erst auf der Sitzung Anfang Dezember veröffentlicht werden.

~ WEB http://www.ecb.int ~ APA115 2015-10-18/11:09


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