Neue Messerattacken - Netanyahu gegen Deeskalations-Vorschlag

Die Serie palästinensischer Messerattacken auf Israelis reißt nicht ab. Die USA wollen jetzt bei der Suche nach einem Weg aus dem Konflikt helfen. Eine internationale Aufsicht über den Tempelberg in Jerusalem - ein zentraler Zankapfel - lehnt Netanjahu jedoch ab.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.
© REUTERS/POOL

Jerusalem – Bei neuen Messerattacken auf Israelis sind am Samstag vier palästinensische Angreifer getötet worden, darunter eine Frau. Ungeachtet der andauernden Spannungen um den Tempelberg lehnte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Sonntag eine internationale Aufsicht des Plateaus in Jerusalem ab.

Der Streit um die Juden wie Muslimen heilige Stätte gilt mit als Auslöser für die jüngste Serie der Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern. Israel lehne einen entsprechenden Vorschlag Frankreichs ab, sagte Netanyahu am Sonntag während einer Kabinettssitzung in Jerusalem.

Bei einer neuen Serie von Messerangriffen auf Israelis in Jerusalem und in Hebron im Westjordanland wurden am Samstag vier Palästinenser getötet und ein weiterer schwer verletzt. Zwei Soldaten erlitten leichte Verletzungen. Nach Angaben des israelischen Rundfunks waren die Angreifer im Alter von 16 bis 18 Jahren. Unter den Tätern war auch eine Frau, die eine israelische Polizistin mit einem Messer angriff und sie leicht verletzte. Die Beamtin erschoss die 17-jährige Angreiferin mit ihrer Waffe.

Ein Entwurf Frankreichs für eine Resolution des UN-Sicherheitsrats sieht nach Medienberichten vor, internationale Beobachter auf den Tempelberg (Al-Haram al-Sharif) zu entsenden. Diese sollten nach möglichen Verstößen gegen den Status quo Ausschau halten. Der Tempelberg liegt in Jerusalems Altstadt, die Israel 1967 erobert und später annektiert hatte. Die Verwaltung der Stätte untersteht Jordanien und der islamischen Waqf-Stiftung.

Grundsätzlich dürfen nur Muslime auf dem Tempelberg beten, der aber auch Juden heilig ist. Die Palästinenser befürchten, dass Israel immer mehr Juden eine Sondergenehmigung für Besuche auf dem Areal erteilt und damit die Kontrolle der Muslime über die drittheiligste Stätte im Islam aushebelt. Israel bestreitet dies.

„Wir haben ja schon gesehen, was mit den heiligen Stätten im Nahen Osten passiert - was in Palmyra, im Irak und in Syrien und an anderen Orten passiert ist“, sagte Netanyahu. „Radikale Muslime zerstören gegenseitig ihre Moscheen, gar nicht zu reden von christlichen und jüdischen Stätten.“ Israel sei auf dem Tempelberg „nicht das Problem, sondern die Lösung“, sagte der Regierungschef.

Seit Monatsbeginn fielen der Gewalt sieben Israelis und rund 40 Palästinenser zum Opfer. Etwa die Hälfte der getöteten Palästinenser waren Attentäter, die im Zuge ihrer Anschläge erschossen wurden. Die anderen starben bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär.

US-Außenminister John Kerry will mit Netanyahu voraussichtlich bei einem Treffen in Berlin nach einem Weg aus dem Konflikt suchen. US-Präsident Barack Obama zeigte sich äußerst besorgt über die jüngste Gewalt in der Region.

Zuletzt hatte es erhebliche Spannungen zwischen Washington und Jerusalem über das Vorgehen der Israelis gegen Palästinenser gegeben. Das US-Außenministerium sprach von „exzessiver Gewaltanwendung“ und warf beiden Seiten Terrorakte vor. Das Verhältnis von Obama und Netanyahu gilt seit langer Zeit als belastet.

Obama stellte aber erneut klar, dass Israel ein Recht habe, seine Bürger vor Messerattacken und Gewalt auf den Straßen zu schützen. „Alle müssen sich darauf konzentrieren, sicherzustellen, dass keine unschuldigen Menschen getötet werden“, sagte er nach einem Treffen mit Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye am Freitag (Ortszeit). Zugleich müssten die Politiker beider Seiten jegliche Rhetorik meiden, die die Gewalt anzuheizen vermag. (APA/dpa)


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