Fix in K.o.-Phase, aber über Rapids Siegestreffer lacht ganz Europa

Mit beiden Treffern beim 2:1-Sieg über Pilsen bescherte Philipp Schobesberger Rapid drei wichtige Punkte in der Europa League. Trotzdem ist er Europas Lachnummer.

Philipp Schobesberger stolpert hier zum 2:1 für Rapid.
© gepa

Pilsen – Rapid Wien jubelt nach dem 2:1-Sieg in Pilsen über den vorzeitigen Aufstieg in K.o.-Phase der Europa League. Trotzdem lacht über die Hütteldorfer ganz Fußball-Europa. Im speziellen über Doppeltorschütze Philipp Schobesberger, der bei seinem Siegestreffer den Ball ins Tor stolperte. „Ich wollte eigentlich rechts vorbeigehen, bin dann aber ausgerutscht. Irgendwie ist der Ball dann vom linken Fuß ins Tor gegangen. Es ist egal, wie er reingeht. Die Partie war sehr, sehr intensiv. Wir sind teilweise sehr tief gestanden. Der Gegner hat alles getan, um uns hinten reinzudrücken. Ich habe am Anfang etwas gebraucht, bis ich in die Saison reinkomme, aber jetzt bin ich gut drin. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft jetzt wieder mit Toren helfen kann“, erklärte Offensivmann.

Die Wiener haben als einziges Team im Bewerb neben dem SSC Napoli noch eine weiße Weste. Als Belohnung gab es für Schobesberger und Co. schon zwei Runden vor Schluss der Gruppenphase das Ticket für das Sechzehntelfinale. Die Wiener geben damit im Februar ihre Premiere in der K.o.-Phase der Europa League, erst der fünfte Anlauf war von Erfolg gekrönt. „Es ist einfach sensationell. Die Mannschaft hat Historisches geschafft, das letzte Mal haben wir vor 20 Jahren im Europacup überwintert“, war Rapid-Trainer Zoran Barisic überglücklich. Der 45-Jährige war noch als Spieler Teil jener Mannschaft, die 1995/96 nach Siegen gegen Petrolul Ploiesti, Sporting Lissabon, Dynamo Moskau und Feyenoord Rotterdam ins Finale des Europacup der Cupsieger vorstieß. „Damals waren es nur vier Spiele bis zum Winter, diesmal sind es zehn Partien, wir hatten viel mehr Aufwand“, erinnerte Rapids Trainer.

Nach dem bitteren Champions-League-Aus gegen Schachtar Donezk im Play-off hatte Rapid-Präsident Michael Krammer bereits angekündigt, dass die Mannschaft die Europa League rocken werde. Das hat sich bis jetzt bewahrheitet. „Es war ein Versprechen und ihr habt es wahr gemacht. Es ist eine tolle Geschichte, ich bin überglücklich“, verlautete der Club-Boss vor dem Heimflug aus Prag nach Mitternacht via Bordmikrofon. Vor fast genau zwei Jahren hatte er am 18. November 2013 die Nachfolge von Rudolf Edlinger angetreten. „Das ist absolut das Highlight meiner Zeit als Präsident“, betonte Krammer.

„Denken von Schritt zu Schritt“

Die letzten beiden Partien auswärts gegen Villarreal (26. November) und zu Hause gegen Dinamo Minsk (10. Dezember) sind nun Bonusspiele für die Wiener. Sie genießen aber weiterhin hohe Priorität, geht es doch noch um den für die Auslosung nicht unwichtigen Gruppensieg, der schon mit einem Punkt in Spanien fixiert werden könnte. „Villarreal bleibt Favorit, aber wir werden alles geben, um wieder eine Sensation zu schaffen“, hat Barisic weitere Triumphe fest im Visier. Das Sechzehntelfinale ist vorerst noch nicht Thema. „Wir müssen erst einmal schauen, wen wir zugelost bekommen. Wir denken nur von Schritt zu Schritt, werden nicht träumen“, sagte Rapids Coach.

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Für den Großteil des jungen Rapid-Kaders ist es schon jetzt der größte Karriere-Erfolg. Steffen Hofmann ist der einzige Aktive, der bei Rapids letzter Champions-League-Teilnahme 2005 dabei war. „Wie wir damals in die Champions League gekommen sind, war das natürlich etwas ganz Besonderes. Aber das jetzt kommt sicher international gleich hintendran. Es ist etwas Einmaliges, ein Riesenerfolg“, schilderte der Kapitän seine Sicht.

Barisic jubelt über „größten Erfolg seiner Karriere“

Doch nicht nur die Spieler rückten dank der guten Leistungen in den Mittelpunkt. Für die Entwicklung der Mannschaft ist der mit einem Vertrag bis Saisonende ausgestattete Barisic hauptverantwortlich, auf den längst auch ausländische Clubs aufmerksam geworden sind. „Es ist definitiv der größte Erfolg meiner Trainerkarriere. Wenn man sich anschaut, wo wir vor zweieinhalb Jahren waren, hätte uns so eine Entwicklung niemand zugetraut. Ich bin aber nicht nur als Trainer sehr glücklich, es ist einer meiner glücklichsten Momente als Mensch“, hob der Wiener die große Bedeutung des Erfolgs hervor.

Die Triumphe der Wiener schlagen sich auch finanziell nieder. Schon jetzt haben sie an Prämien 7,34 Millionen Euro sicher. Jeder weitere Sieg in der Gruppe würde 360.000, jedes Remis 120.000 Euro bringen. Auf die Achtelfinal-Aufsteiger warten 750.000 Euro. Dazu kommen noch Einnahmen aus den gut besuchten Heimspielen sowie aus dem UEFA-Marketing-Pool, eine zweistellige Summe ist daher garantiert. „Das ist für die Weiterentwicklung des Vereins wichtig, wir können das Geld nachhaltig investieren. Frühzeitige Vertragsverlängerungen, wir können junge Spieler an uns binden, Infrastrukturmaßnahmen, alles das können wir machen“, gab Krammer Einblick.

Den Sechzehntelfinalgegner bekommt Rapid am 14. Dezember (13.00 Uhr) in Nyon zugelost. Die Gruppensieger sind genauso wie die vier besten Champions-League-Umsteiger gesetzt. Teams aus der selben Gruppe können nicht neuerlich aufeinandertreffen. Spieltermine sind der 18. und 25. Februar 2016. (tt.com/APA)


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