Tirol

Festspiele Erl präsentieren facettenreiches Programm für 2016

Das neue Festspielhaus in Erl.
© Thomas Böhm

Die Tiroler Festspiele Erl wollen mit einem Rossini-Schwerpunkt eine neue Marke setzen. Zudem wird das Passionsspielhaus modernisiert und eine „Künstler-Herberge“ gebaut.

Erl – Eigentlich sollte am Dienstag das Sommer-Programm der Tiroler Festspiele Erl präsentiert werden. Eigentlich. Doch bevor Maestro Gustav Kuhn und Festspiel-Präsident Hans Peter Haselsteiner Einblicke ins bevorstehende Bühnengeschehen gaben, ging’s im Festspielhaus thematisch einen Stock tiefer – und zwar in die Garage. Wie die TT berichtete, dient diese in Notzeiten neuerdings als Ersatzquartier für Asylwerber – und daran soll sich auch nichts ändern. „Zur Zeit sind zwar keine Flüchtlinge bei uns untergebracht, aber wenn Not am Mann ist, dann werden wir auch wieder helfen“, erklärt Haselsteiner. Und setzt wortgewaltig nach: „Das sind arme Hund’, die niemandem etwas tun und auch unseren Festspiel-Betrieb in keinster Weise beeinträchtigen. Etwaigen Wahnsinnigen, die etwas anderes behaupten, kann ich nur sagen: Haltet’s die Goschn.“ Wumms. Das sitzt. Den Asylwerbern soll in Erl übrigens nicht nur Obdach gewährt werden, auch Einladungen zu Proben sind geplant. Haselsteiner: „Vielleicht lenkt das die Menschen ein wenig von ihrem harten Schicksal ab.“

Durchs Passionsspielhaus, das in den 1950er-Jahren erbaut wurde, soll indes schon ab Montag ein frischer Wind wehen. Dann startet der 1,6-Millionen-Euro-teure Umbau, mit dem man das Haus auf den neuesten Stand der Technik bringen will. Rechtzeitig zum Beginn der sommerlichen Festspiele, die von 7. bis 31. Juli dauern, sollen die Arbeiten, die vom Land Tirol, dem Passionsspielverein und der Haselsteiner Stiftung finanziert werden, abgeschlossen sein. Nicht das letzte „Geschenk“, das der Erl-Mäzen für Maestro Kuhn, den „teuersten all meiner Freunde“, parat hat. Im Frühjahr 2016 soll einen Steinwurf von den Erler Spielstätten entfernt eine – so Haselsteiner –„Künstler-Herberge“ entstehen, die Platz für 200 Betten schaffen soll. Mit dem zweckgewidmeten Bau, der voraussichtlich im Winter 2017 bezogen werden kann, will man das Unterbringungsproblem für Gastkünstler lösen, mit dem man zuletzt zu kämpfen hatte.

Wie am Schnürchen läuft dafür der Kartenvorverkauf für das bevorstehende Sommer-Programm: Für den „Ring der Nibelungen“ (14. bis 17. Juli, Passionsspielhaus) gibt es nur noch 35 Karten, wie Kuhn stolz verkündet. Unter dem Motto „Mit voller Kraft ... voraus!“ bieten die Festspiele ein breit gefächertes Programm, das neun Opern, sechs Konzerte und zehn Kammermusik-Abende bereithält. Mit Gioacchino Rossinis Oper „Guglielmo Tell“ (8. und 22. Juli, Festspielhaus) soll zudem ein neuer Schwerpunkt gesetzt werden. Oder um mit Haselsteiner zu sprechen: „Wagner allein kann es nicht sein.“ Wer künftig an Erl denke, dem soll fortan also nicht nur Wagner, sondern auch Rossini durch den Kopf gehen, der schon im Winter mit „Il barbiere di Siviglia“ gewürdigt wird. Kuhn will damit auch Opern-Neulinge nach Erl locken. Denn: „Das ist einfach geile Musik.“ Eine neue Ring-Inszenierung ist indes noch Zukunftsmusik, die frühestens im Jahr 2020 erklingen wird. (fach)

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