Wörgl

Retentionsflächen treiben Keil in den Wasserverband

© Land Tirol

Kundl verlangt auch Überschwemmungsflächen in der Stadt Wörgl. Die Fachleute winken aber bei der Umsetzungsmöglichkeit ab.

Von Wolfgang Otter

Wörgl, Kundl –Retentionsraum ist kostbar und zugleich für den Hochwasserschutz am Inn unabdingbar. Das ist zumindest die Essenz aus den derzeitigen Verhandlungen rund um die Flächen, die im Katastrophenfall überflutet werden können, um so zusätzlich zu Schutzdämmen Ortschaften zu schützen. Sie und künftige Schutzbauten sollen Inn-Anrainergemeinden auch zu einem Wasserverband zusammenschweißen. In Kramsach, Kundl, Radfeld und Angath wurde das Land im Bezirk Kufstein auf der Suche nach den Retentionsflächen fündig. Anscheinend lassen sich aber keine Grundstücke in Wörgl finden. Vizebürgermeister Andreas Taxacher (Team Wörgl) – er nimmt neben anderen für die Stadt an den Verhandlungen zur Gründung des Wasserverbands teil – kann berichten, dass Fachleute die in Wörgl ins Auge gefassten Überflutungsflächen als nicht geeignet wieder verworfen hätten. Dabei geht es um die Frage, was passieren würde, wenn statt eines 100-jährigen ein 300-jähriges oder 1000-jähriges Inn-Hochwasser das Unterland treffen würde. „Dann wäre der Überlastfall nach Ansicht der Fachleute nicht beherrschbar“, sagt Taxacher. Wobei auch der technische Aufwand an und für sich sehr groß sei. An die 1,4 Millionen Liter Wasser sollten eigentlich in Wörgl geparkt werden. „Und wir sind die Ersten, die eine Fläche hergeben, wenn es möglich wäre“, betont Taxacher.

Das sieht aber Kundls Vizebürgermeister Michael Dessl (Bürgerliche Kundler Liste, BKL) anders. Er geht davon aus, dass Wörgl möglich wäre, „es geht nur darum, dass die technische Lösung teurer ist“. Aber „nicht die Findung von Retentionsflächen stellt ein Hindernis dar, sondern die ablehnende und selbstbezogene Haltung der Stadt Wörgl ist der wesentliche Auslöser dieser misslichen Lage – es fehlt die Erkenntnis, dass nur gemeinsam das Projekt Hochwasserschutz in Angriff genommen werden kann und im Sinne aller beteiligten Gemeinden gehandelt werden muss. Eine faire Flächenaufteilung ist daher unumgänglich“, schimpft Dessl. Für ihn sei es wichtig, dass nun die Detailplanung vorgelegt werde. Das sieht auch Taxacher so und er glaubt, „dass die optimierten Retentionsflächen und das geschützte Gebiet im Kundler Gemeindegebiet ein Nullsummenspiel werden“.

Beim Land Tirol bestätigt man die Argumentation von Taxacher. Man habe die Wörgler Möglichkeiten geprüft und werde sie vorerst nicht mehr weiterverfolgen. „Bei Retentionsflächen geht es auch darum, dass man die auch schnell wieder leer bekommt“, sagt Markus Federspiel. In Wörgl wäre dies nicht möglich, bei einem Überlastfall würde sich die Situation noch verschlechtern. Alle anderen Flächen hätten die Überprüfung bestanden.

BM LA Alois Margreiter (VP) kritisiert indessen NR GR Carmen Schimanek (FPÖ) und BM Hedi Wechner (SPÖ). Erstere weil diese kritisiert hätte, dass eine Planung ausgeschrieben wurde, ohne zu wissen, wer beim Verband dabei sei, „aber die Gemeinden haben dem Land die Zustimmung zur Detailplanung erteilt“, stellt Margreiter klar. Zweitere, weil diese nicht an allen Treffen teilnehme.

BM Hedi Wechner kann diese Kritik an ihrer Person nicht nachvollziehen. „In zwei Fällen hatte ich unaufschiebbare Termine. Wichtig ist, dass immer jemand aus der Stadt an den Sitzungen teilnimmt, der dann berichten kann. Und diese Berichte habe ich alle erhalten“, sagt BM Hedi Wechner.

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