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Ost-Wirtschaft wächst doppelt so schnell wie in der Eurozone

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Wiener Wirtschaftsforschungsinstitut sieht Konjunktur in Mittel-Osteuropa optimistisch. Stimmung in der Weltwirtschaft ist laut IFO so schlecht wie zuletzt 2012

Wien, Berlin – Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hat seine Konjunkturprognose für die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas leicht nach oben revidiert. Die WIIW-Ökonomen erwarten in der Region - allerdings ohne GUS und Ukraine - für 2015 ein Wachstum von durchschnittlich 3 Prozent, etwa 1,5 Prozentpunkte über dem Wachstum der Eurozone.

„Innerhalb der Region gibt es natürlich sehr unterschiedliche Trends“, sagte WIIW-Vizedirektor Mario Holzer bei der Präsentation der aktuellen Prognose. Die zentraleuropäischen Länder würden ihr robustes Wachstum von zwei bis vier Prozent jährlich fortsetzen. Tschechien ist heuer mit einem BIP-Plus von 3,9 Prozent der Spitzenreiter. „Schlechte Aussichten gibt es für die GUS, ein loser Zusammenschluss von zwölf Teilrepubliken der ehemaligen Sowjetunion. „Ohne eine Erholung des Ölpreises sehen wir Russland und Weißrussland bei minus 4 Prozent“, fasste Holzner die WIIW-Erwartungen zusammen.

Wachstumstrends für Südosteuropa unterschiedlich

Das Baltikum befinde sich trotz der negativen Auswirkungen der schlechten Entwicklung auf Kurs. Da sehe man Wachstumsraten zwischen einem halben und drei Prozent. Verbessert hätten sich auch die Wachstumstrends für die Länder Südosteuropas, allerdings sehr unterschiedlich, so Holzner. Serbien und Kroatien können froh sein, knapp über der Null zu liegen“, dort werde das Wirtschaftswachstum heuer weniger als ein Prozent betragen, in den anderen Ländern zwischen zwei und vier Prozent.

Die Ukraine sei „in einer tiefen Rezession gelandet“, die Wirtschaft des Bürgerkriegslandes werde heuer um etwa 11,5 Prozent schrumpfen. „Es gibt aber Anzeichen, dass bereits die Talsohle erreicht ist“, sagte Holzner.

Das „Missing Link“ für ein robustes Wachstum der Region seien die Privatinvestitionen. Der gesamte Unternehmenssektor in Europa spare noch immer mehr als er investiert. Ein Grund dafür sei die hohe Verschuldung der Unternehmen. Fast überall übersteige die Privatverschuldung massiv jene des Staates, in einigen Ländern sei sie sogar höher als das Bruttoinlandsprodukt (BIP), so etwa in Bulgarien, Estland, Kroatien, Ungarn, Lettland und Slowenien. Dazu komme, dass etwa in Ungarn, Kroatien oder Slowenien die Staatsverschuldung über den Maastricht-Kriterien liege.

„Ein gewisser Hoffnungsschimmer“ komme von den EU-Fonds, vor allem ab 2017 werde der Zufluss von Mitteln in die Region wieder zunehmen und sowohl private, als auch öffentliche Investitionen fördern. Aber in fast keiner der vom WIIW analysierten Teilregionen werde das Wirtschaftswachstum wieder an die Werte vor Ausbruch der globalen Finanzkrise anschließen.

Wirtschaftsklima verschlechterte sich in nahezu allen Regionen

Die Stimmung in Weltwirtschaft ist derezit so schlecht wie zuletzt 2012. Das entsprechende Barometer des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) gab im vierten Quartal um 6,3 auf 89,6 Zähler nach. Es fiel dadurch deutlich unter seinen langjährigen Durchschnittswert von 96,1 Punkten.

„Die Weltwirtschaft wächst nur mäßig“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag zu der vierteljährlichen Umfrage. Die 1.100 Experten aus 117 Ländern schätzten die Lage etwas schlechter ein als zuletzt, während sie ihre Erwartungen deutlich nach unten schraubten.

Das Wirtschaftsklima verschlechterte sich in nahezu allen Regionen. In Europa und Nordamerika liegt der Indikator aber immer noch über seinem langfristigen Durchschnitt, in Asien, Lateinamerika, im Nahen Osten und Afrika dagegen deutlich darunter. (APA/Reuters)

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