Tirol

Studium kein Garant gegen Arbeitslosigkeit

Im Oktober gab es in Tirol um knapp 15 % mehr arbeitslose Akademiker. Ohne Job stehen vor allem Ältere da.

Von Carina Engel

Innsbruck –Ein Studium abschließen und dann bis zur Pension einen sicheren Job haben – ein Wunschszenario unter Akademikern, das immer öfter unerfüllt bleibt. Knapp 900 Tiroler mit Universitätsabschluss, aber ohne Job zählte das Arbeitsmarktservice (AMS) Tirol im Oktober – rund 15 Prozent mehr als noch im selben Monat des vergangenen Jahres.

Dabei verfügt der Großteil der Betroffenen über einen naturwissenschaftlichen Studienabschluss, weitere 200 Arbeitslose kommen aus wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Studienrichtungen. „Ein abgeschlossenes Studium ist kein Garant mehr für einen Job“, weiß Korbinian Kasinger, ÖH-Vorsitzender und selbst Student der Internationalen Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck. Aus dieser Besorgnis heraus würden viele Studierende ihre Studiengänge auch anhand der späteren Jobchancen auswählen, glaubt der Studienvertreter: „Das spielt garantiert eine Rolle, denn man soll ja auch mal vom Studium leben können.“ Dennoch solle man sich von der Arbeitsmarktlage nicht zu sehr verunsichern lassen und sich aus Interesse für ein Studium entscheiden, rät Kasinger.

Nach diesem Motto entschied sich Moritz Kristmann vor zwei Jahren für das Studium der Rechtswissenschaft. Mit 75 Vormerkungen beim AMS stellen auch Juristen einen wesentlichen Anteil der arbeitslosen Akademiker dar.Kristmann blickt dennoch positiv in die Zukunft, auch wenn er eine gewisse Anspannung bei seinen Kommilitonen erkennen kann: „Natürlich ist der Konkurrenzkampf deutlich spürbar, es schließen ja auch immer mehr Studenten das Studium ab, als am Markt wirklich gebraucht werden“, erzählt der Innsbrucker.

Weniger Sorgen müssen sich Tirols Mediziner machen: Unter ihnen sank die Zahl der Arbeitslosen im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um über 38 Prozent. Auch die Zahl der arbeitslosen Lehrer ist im Oktober nicht weiter angestiegen, sondern hat auf Vorjahresniveau stagniert. „Ich glaube, dass mein Lehramtsstudium eine mehr oder weniger sichere Eintrittskarte in das Berufsleben ist“, ist die angehende Lehrerin Constanze Hagmann zuversichtlich.

Das Risiko, trotz Ausbildung keine Arbeit zu haben, könnte für die jungen Studenten auch eher erst später zur Gefahr werden, schließlich stehen vor allem Akademiker im Alter von 45+ immer häufiger ohne Job da. „Unabhängig von der Ausbildung sind die Älteren generell eher von Arbeitslosigkeit betroffen, nur trifft es jetzt auch Akademiker, die es vor ein paar Jahren vielleicht noch nicht getroffen hätte“, analysiert Johannes Schranz vom AMS Tirol.

Eine Entspannung des Tiroler Arbeitsmarkts ist laut Schranz zwar nicht in Sicht, anhand der Arbeitslosenquoten könne man jedoch ablesen, dass das Risiko, arbeitslos zu werden, bei steigendem Bildungsgrad nach wie vor sinkt. Auch Kasinger bleibt optimistisch: „Ich glaube, wenn man etwas gefunden hat, das Spaß macht, mit dem man sich identifizieren und bei dem man wirklich mit vollem Eifer arbeiten kann, wird man immer einen Job finden.“

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