EU

Krisen trüben das positive Europa-Bild der Österreicher

Eine pro-europäische Demonstrantin in Athen. (Symbolfoto)
© AFP

Europa steht bei den Österreichern weiterhin hoch im Kurs. Doch angesichts von Schulden- und Flüchtlingskrise wachsen auch Ängste und Verunsicherung.

Von Floo Weißmann

Innsbruck –Für die Österreicher ist Europa positiv besetzt. Aber die Mehrheit nimmt die Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit als negativ wahr – jetzt noch stärker als im Mai. Das bestätigt eine Studie, die das Institut GfK Austria im Auftrag des Europäischen Forums Alp­bach erstellt hat. Die Studie wird diese Woche auf einer Tagung in Innsbruck (siehe Factbox unten) offiziell vorgestellt und liegt der TT bereits vor.

„Prinzipiell gibt es ein positives Empfinden gegenüber Europa“, bilanziert Angelika Kofler von GfK Austria. 70 bis 83 Prozent der Österreicher reagieren positiv auf die Begriffe Europa sowie Kultur und Wirtschaft in Europa (siehe Grafik rechts).

Zugleich „sind Ängste und Verunsicherungen da, und das zeigt sich auch in den Daten“, sagt Kofler. Schon im Mai befand die Hälfte der Österreicher, dass Europa und seine Wirtschaft sich in den vergangenen 15 Jahren zum Negativen verändert hätten. Bis November stieg der Anteil der Pessimisten auf 55 bzw. 65 Prozent. Als vergleichsweise krisenfest erwies sich nur die Wahrnehmung der Kultur.

Diese Einschätzung „wundert mich überhaupt nicht“, sagt Erhard Busek, Ehrenpräsident des Europäischen Forums Alpbach. Er erklärt sie mit der öffentlichen Debatte über Themen wie Griechenland und Flüchtlinge und vor allem mit dem „Scheitern (der Politik) beim Erzielen von Ergebnissen“. Bei den Menschen und bei den Regierenden herrsche eine gewisse Ratlosigkeit. „Vor 15 Jahren haben wir Europa noch als Geschenk betrachtet“, sagt Busek. „Und jetzt sind Schwierigkeiten aufgetreten.“

Das Gesamtbild der Studie zeigt, was bekannt oder erwartet war; im Detail gibt es aber auch neue Erkenntnisse. Als Beispiel nennt Kofler die Antworten auf die Frage, welche Regionen Europa prägen. Dabei nannten 73 Prozent Mitteleuropa – also ihre eigene Region – und weitere 20 Prozent Westeuropa. Der Norden, Süden und (Süd-)Osten werden hingegen so gut wie gar nicht wahrgenommen. „Das ist sehr interessant, wenn man bedenkt, dass die EU-Erweiterung ein großes Thema war und was die Erweiterung der österreichischen Wirtschaft für Türen geöffnet hat“, sagt Kofler. Sie spricht von emotionalen Widerständen dagegen, über den Tellerrand zu schauen.

Bemerkenswert ist auch die Sicht Europas in der Welt. Stark vereinfacht verbinden die Österreicher Europa eher mit Begriffen wie Kultur und Vergangenheit – Asien und Amerika hingegen mit Wirtschaft, Erfolg und Zukunft. „Das ist eine Befindlichkeit, die Optimismus nicht erleichtert“, meint Kofler.

Positive Einschätzungen Europas steigen tendenziell mit der Bildung. Nach Altersgruppen zeigt sich in vielen Fragen eine Koalition der über 60-Jährigen mit Teenagern. Die Älteren „erinnern sich, dass Europa als Friedensprojekt angefangen hat. Sie haben eine Vergleichsperspektive, die für andere Schulunterricht ist“, sagt Kofler. Und bei den Jüngeren handle es sich um „die erste Generation, die mit Europa als Selbstverständlichkeit aufgewachsen ist“.

Insgesamt sei der Zugang der Österreicher zu Europa ein pragmatischer: „Man hat etwas von Europa, ist aber nicht emotional daran gebunden“, sagt Kofler. Eine solche emotionale Bindung könne erst über Jahrzehnte und Generationen wachsen.

Busek betont den Handlungsauftrag. Vor allem an die Politik, deren Aufgabe es sei, den Menschen die Angst zu nehmen. Letztlich aber an alle: „Es bewegt mich sehr, den Menschen deutlich zu machen, dass sie es (die Gestaltung von Europas Zukunft) selbst in der Hand haben.“

Europas Potenzial

Tagung:

Das Europäische Forum Alpbach veranstaltet diese Woche in Innsbruck eine Tagung zum Potenzial Europas, auf der etwa 30 Experten die Ressourcen und die Zukunft Europas untersuchen.

Zeit und Ort:

Mittwochnachmittag bis Freitagmittag, Kaiser-Leopold-Saal der Theologischen Fakultät der Uni Innsbruck, Karl-Rahner-Platz 3.

Information, Anmeldung:

www.alpbach.org/de/event/kultur-und-wirtschaft-2015

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