Bühne

Paradoxe Lösung für ein paar Paar-Probleme

© griessenböck

In Elmar Drexels Inszenierung von Daniel Glattauers Stück „Die Wunderübung“ werden Beziehungsprobleme mit hohem Unterhaltungswert therapiert.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Sie redet zu viel. Er hört nicht zu. Er will seinen Frieden. Sie will Veränderung. Sie hält sich für empfindsam. Er hält sie für empfindlich. Kurz und gut: Die Doreks gehen sich auf den Geist. Und deshalb gehen Valentin (Johannes Gabl) und Joana (Julia Kronenberg) zum Paartherapeuten (Walter Ludwig), der ihre Beziehungsprobleme in den Griff kriegen soll. So viel zur Ausgangssituation von „Die Wunderübung“, dem ersten Theaterstück von Erfolgsautor Daniel Glattauer, das im Jänner in den Wiener Kammerspielen uraufgeführt wurde. Seit Samstag steht die Beziehungskomödie, die bei der Tirol-Premiere beachtlich viele Paare anlockte, auf dem Spielplan des Kellertheaters.

In der Regie von Elmar Drexel wird die jugendfreie ménage à trois da zum herrlich unterhaltsamen Ritt in die Abgründe einer in die Jahr­e gekommenen Liebe. Auf der schwarz-weiß gehaltenen Bühne (Katrin Böge) gehen sich die kunterbunt gewandeten Eheleute verbal an die Gurgel. Und bekriegen sich mit derart bösen Blicken, dass es für die Zuschauer eine helle Freude ist. In der Luft, durch die ohne Unterlass Vorwürfe fliegen, liegt vom ersten Moment an jede Menge Spannung – was wiederum an Johannes Gabl und Julia Kronenberg liegt, die sich im kalten Therapieraum hitzige Wortgefechte liefern. Kronenberg legt Joana, die von ihrem Mann als „hysterische Historikerin“ abgestempelt wird, als kontrollierte und kontrollierende Frau mit Herz und Hirn an. Gabls Valentin wirkt zunächst abwesend und abweisend, findet aber im Lauf­e der kurzweiligen Handlung zu seinem unkonventionellen Charme, in den sich Joana einst verliebte, zurück.

Überhaupt ist am Ende nichts mehr so, wie es am Anfang war. Das hat mit der titelgebenden Wunderübung des Therapeuten zu tun, den Walter Ludwig – mit frechem Mascherl und keckem Zopf – als verständnisvollen Zeitgenossen zeigt, dem allerdings auch der Kragen platzen kann. Was hinter seiner Wunderübung steckt, wird an dieser Stelle nicht verraten, sonst geht ja der halbe Spaß verloren. Und gelacht wird viel in Drexels perfekt getimter Inszenierung, die vom Premierenpublikum eifrig beklatscht wurde. Dass die Beziehungsprobleme von Joana und Valentin aus dem echten Leben gegriffen sind, scheint die anwesenden Paare übrigens nicht weiter ans eigene Schicksal erinnert zu haben: Wer gemeinsam gekommen war, ging auch wieder gemeinsam. Aber wer weiß: Vielleicht fand die richtige Nachbesprechung erst in den eigenen vier Wänden statt.

Bis 31. Dezember zu sehen. Infos: www.kellertheater.at

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