Terroranschlag in Frankreich

Terror in Paris: Täter schlugen an sechs Orten zeitgleich zu

Symbolfoto.
© REUTERS

Eine Konzerthalle, ein Fußballstadion, verschiedene Cafés und Restaurants: Sie alle wurden Freitagabend fast zur gleichen Zeit Schauplatz eines schrecklichen IS-Anschlags.

Paris – Sechs Attacken wurden am Freitagabend zeitgleich in der französischen Hauptstadt lanciert. Gemäß einer vorläufigen Bilanz von Staatsanwalt Francois Molins starben 128 Menschen. Acht Angreifer kamen ebenfalls ums Leben. 180 Menschen wurden verletzt, 80 sollen in besonders kritischem Zustand sein. Präsident Hollande bestätigte am Samstag, dass die Terrororganisation „Islamischer Staat“ hinter dem Angriff stecke. Diese übernahm Samstagmittag mit einer Meldung im Internet die Verantwortung für die Terrorangriffe.

Konzertbesucher wurden regelrecht abgeschlachtet

Die größte Opferanzahl gab es demnach in der Konzerthalle Bataclan, als mindestens vier vermummte Terroristen dort bei einer Geiselnahme in die Menge schossen. Es sollen 78 oder 79 Menschen ums Leben gekommen sein, berichtet die Tageszeitung „Le Monde“ . Aufgrund der großen Anzahl an Schwerverletzten ist die Bilanz der Verstorbenen wohl noch nicht endgültig.

Die Polizei stürmte den Konzertsaal kurz vor 0.30 Uhr, der Einsatz war gegen 1 Uhr beendet. Rund 80 Menschen waren tot, darunter vier Angreifer. Drei von ihnen haben sich mit einem Sprengstoffgürtel selbst in die Luft gesprengt. Der vierte, der auch einen solchen Gürtel trug, wurde von Polizeikugeln getroffen und beim Fallen explodierte auch sein Sprengstoff.

Die Tiroler Metalband „White Miles“ trat als Vorband zu den „Eagles of Death Metal“ in Bataclan auf. Alle Musiker haben die Anschläge den Meldungen zufolge überlebt. Sie waren gerade außerhalb der Halle, um sich etwas zu essen zu holen, als die Attacke losgingen. Die Tiroler posteten noch am Abend auf Twitter und auf Facebook, dass es ihnen gut gehe. Verletzt wurde hingegen ein Konzertbesucher aus Tirol, wie das Außenministerium am Samstag bestätigte. Zwei weitere Österreicher, die das Konzert besucht hatten, blieben unverletzt. Auch bei ihnen dürfte es sich um Tiroler handeln.

Explosionen während Länderspiels

Bei einer Schießerei am Boulevard Voltaire und in der Rue de Charonne wurden 19 Personen getötet, die im „Café Belle Equipe“ saßen. 14 weitere wurden so schwer verletzt, dass sie zum Teil in Lebensgefahr schweben.

In der Rue de la Fontain-au-Roi wurden nach einer weiteren Schießerei fünf Tote und acht Schwerverletzte aufgefunden. Sie hatten in der Pizzeria „La Casa Nostra“ zu Abend gegessen. In der Rue Alibert, zwischen der Bar „Le Carillon“ und dem Restaurant „Le Petit Cambodge“ starben zwölf bis 14 Menschen, es gab 10 Schwerverletzte.

Im Stadtteil Saint-Denis, in der Nähe des Stadions de France gab es drei Explosionen – dabei starb ein Passant. Die drei Attentäter, die sich in die Luft gesprengt hatten, überlebten ebenfalls nicht. Im Stadion wurde zu diesem Zeitpunkt das Länderspiel Frankreich-Deutschland ausgetragen. Dort soll nächstes Jahr im Juli das Finale der Fußball-Europameisterschaft stattfinden und nicht weit davon, in Bourget, soll am 30. November die große, internationale Klimakonferenz abgehalten werden. Präsident Francois Hollande, der bei dem Fußballspiel in der Ehrentribüne Platz genommen hatte, wurde umgehend evakuiert. Auch der deutsche Außenminister Frank Walter Steinmeier, der die erste Halbzeit an Hollandes Seite verfolgt hatte, wurde aus dem Stadion gebracht. Er zeigte sich bestürzt: „Wir stehen an der Seite Frankreichs“, sagte er.

Die Pariser Krankenhäuser setzten einen Notfall- und Krisenplan in Kraft, noch am Abend übernahm die für Terrorismus zuständige Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Kurz nach Mitternacht traf sich das Kabinett im Elysee-Palast zu einer Krisensitzung. Mehrere Metro-Stationen wurden geschlossen.

Die Sicherheitsbehörden riefen die Franzosen auf, zuhause zu bleiben. Die Situation war noch lange Zeit nach den Simultan-Anschlägen unübersichtlich. Die genauen Hintergründe waren auch in der Nacht unklar. So befürchtete die Staatsanwaltschaft, dass sich noch weitere Attentäter oder Komplizen auf freiem Fuß befinden könnten. Hollande appellierte an seine Landsleute, der Angst und dem Entsetzen nicht Platz zu geben und zusammenzuhalten: „Dem Entsetzen steht eine Nation gegenüber, die weiß, wie sie sich verteidigt. Die weiß, wie sie ihre Kräfte sammelt. Und die einmal mehr wissen wird, wie sie die Terroristen besiegen wird.“ (rena/APA/AFP)

Verwandte Themen