Leichtathletik-Skandal

Russland will mit Reformen Olympiaantritt ermöglichen

Elena Isinbaeva, die zweifache Olympiasiegerin im Stabhochspringen, zeigt sich über die Entscheidung schockiert.
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Sportminister Mutko zeigt sich nach Suspendierung durch IAAF zuversichtlich: „Ich bin sicher, dass es gelingt.“

Moskau – In Russland rechnet man trotz der vorläufigen Suspendierung durch den Leichtathletik-Weltverband (IAAF) vielerorts mit einer Olympia-Teilnahme in Rio des Janeiro. „Ich bin sicher, dass es gelingt, die Situation bis zu Olympia zu klären“, sagte Sportminister Witali Mutko in einer ersten Reaktion. „In der russischen Leichtathletik gibt es weder mehr noch weniger Probleme als im Rest der Welt.“

Die Probleme seien „lösbar“, meinte Mutko der Agentur Interfax zufolge. „Wir setzen die Vorbereitungen auf Rio 2016 fort“, verdeutlichte der Funktionär. Er bekräftigte die Bereitschaft zur engen Zusammenarbeit mit der IAAF: „Wir haben in den nächsten Monaten einige Bedingungen zu erfüllen.“ In diese Richtung argumentierte auch Alexander Schukow, Präsident des Russischen Olympischen Komitees.

Reform des Leichtathletik-Verbandes

Die Reformen müssten demnach bald umgesetzt werden. „Das Russische Olympische Komitee ist bereit, die Initiative zu ergreifen, um Russlands Leichtathletik-Verband zu reformieren und mit den IAAF-Erfordernissen hinsichtlich Anti-Doping auf Linie zu bringen“, wurde Schukow von der Agentur R-Sport zitiert. „Das muss effizient und bald passieren, um unseren Athleten die Olympia-Teilnahme ermöglichen zu können.“

Das IAAF-Council hatte Russland am Freitagabend vorläufig ausgeschlossen und reagierte damit auf massive Dopingvorwürfe. Damit darf Moskau bis auf Weiteres keine Sportler zu internationalen Veranstaltungen schicken. Auch der Ausschluss von Olympia 2016 droht. Angesichts dieses Szenarios sagte Wadim Selitschenok, Präsident von Russlands Leichtathletik-Verband, für einen Rücktritt bereit zu sein.

„Eine gute Nachricht für die sauberen Athleten“

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hatte in Folge ihres zu Wochenbeginn veröffentlichten Reports die Suspendierung des russischen Verbandes (ARAF) gefordert. „Die WADA begrüßt die IAAF-Entscheidung“, ließ WADA-Sprecher Ben Nichols nun folgerichtig wissen. „Die Entscheidung ist eine gute Nachricht für die sauberen Athleten dieser Welt.“

Die IAAF hatte schon früher nationale Verbände suspendiert, etwa Südafrika während des Apartheid-Regimes. In keinem Fall geschah das aber wegen Doping-Vergehen.

Enttäuschung bei russischen Athleten

Weltklasse-Stabhochspringerin Elena Isinbaeva zeigte sich enttäuscht von der mit 22:1 Stimmen deutlich ausgefallenen IAAF-Entscheidung. „Ich bin schockiert“, sagte die Olympiasiegerin und Weltrekordlerin am Samstag. Sie hat eigentlich für die Spiele in Rio geplant, ihre Karriere mit ihrem dritten Olympia-Gold abzuschließen.

Hochsprungtrainer Jewgeni Sagorulko nannte das Verdikt der IAAF übertrieben. „Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, kritisierte der Coach. Sein Trainerkollege Alexander Zyplakow wittert gar eine Verschwörung. Offenbar sollten Konkurrenten beseitigt werden, meinte er.

Hingegen warnte das russische Mitglied des IAAF-Councils, Michail Butow, vor allzu markigen Worten. „Ich denke nicht, dass die Lösung politisch motiviert ist. Aber es werden sich Menschen finden, die sie zu politischen Zielen ausnutzen werden“, warnte der Generalsekretär des russischen Leichtathletik-Verbands.

Harting: „Jetzt Kenia und Jamaika“

Diskus-Olympiasieger Robert Harting sieht indes in der ARAF-Suspendierung nur den Beginn, der bekannte Doping-Gegner fordert auch in anderen Ländern eine rigorose Aufklärung. „Wir haben das mit Russland geklärt, jetzt müssen wir nach Kenia und Jamaika rein und die gleiche Untersuchung anstellen“, sagte der 31-jährige Deutsche in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag).

Athleten mit „Sport-Intelligenz“ würden merken, wenn jemand Leistungen bringt, die nicht sein können, meinte der mehrfache Welt-und Europameister. Ebenso wie das IAAF-Council am Freitagabend hätte auch Harting für einen Ausschluss der Russen votiert. Für den US-Verband sei die Suspendierung Russlands die einzige mögliche Sanktion gewesen, wie es in einem Statement hieß. (APA)

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