Klimagipfel eröffnet: „Es geht um das Schicksal der Menschheit“

150 Staats- und Regierungschefs trafen heute in Paris ein, wo in den nächsten Tagen ein international verbindliches Klimaschutzabkommen auf den Weg gebracht werden soll. Frankreichs Präsident Francois Hollande warnte eindringlich vor einem Scheitern. Am Sonntag demonstrierten rund 570.000 Menschen weltweit für mehr Klimaschutz.

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Paris - Die Welt blickt weiterhin nach Paris, aber der Fokus hat sich verschoben. Nicht mehr den Folgen der Terroranschläge vom 13. November gilt das Hauptaugenmerk, sondern der UNO-Klimakonferenz, die am heutigen Montag eröffnet wurde. 150 Staats- und Regierungschefs trafen unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in Le Bourget nahe der französischen Hauptstadt ein, wo bis 11. Dezember ein „Weltklimavertrag“ zur verbindlichen Drosselung der Treibhausgas-Emissionen erreicht werden soll. Ziel ist es, die Erderwärmung dadurch bis zum Jahr 2100 unter zwei Grad zu halten.

Die französischen Gastgeber der UN-Verhandlungen erhoffen sich vom Auftritt der höchsten Repräsentanten gleich zu Beginn der Konferenz einen Schub für die komplizierten Gespräche. Frankreichs Präsident Francois Hollande sagte, bei der Konferenz gehe es um nichts weniger als das „Schicksal der Menschheit“. Sollte die Konferenz scheitern, trügen „alle Länder der Welt“ dafür die Verantwortung, insbesondere aber die größten CO2-Emittenten. Dies würde „das Leben unserer Kinder und Enkel schwieriger und gefährlicher“ machen. Er rechne jedoch mit einer Einigung.

Am Sonntag demonstrierten rund 570.000 Menschen auf der ganzen Welt für mehr Klimaschutz. Von Australien und Neuseeland über die Philippinen, Bangladesch und Japan bis Südafrika, Deutschland und Großbritannien gingen seit Freitag Menschen gegen die Gefahren der Erderwärmung wie Superstürme, Dürre und steigende Meeresspiegel auf die Straße. (siehe Fotogalerie)

183 Staaten legen Klimaziele vor

Diplomaten und Umweltschützer äußerten sich vor Konferenzbeginn vorsichtig optimistisch zu den Erfolgschancen. Unklar ist unter anderem, wie verbindlich und ehrgeizig das geplante Abkommen ausfallen wird. Bisher haben nach UN-Angaben 183 Staaten ihre jeweiligen Klimaziele vorgelegt. Laut UN-Klimachefin Christiana Figueres sind diese Pläne nicht ausreichend, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

Die Staats- und Regierungschefs sollten am Montag in zwei verschiedenen Sälen jeweils für drei Minuten ihre Klimaziele formulieren. Am Rande der Konferenz wollen zahlreichen Länder auch eigene Initiativen zum Klimaschutz vorstellen.

US-Präsident Barack Obama (l.) rief seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping bei einem Treffen in Paris zur Zusammenarbeit für ein verbindliches Abkommen auf.
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Obama will Führungsrolle gemeinsam mit China

So präsentieren US-Präsident Barack Obama, Microsoft-Gründer Bill Gates und zahlreichen Regierungschefs am Nachmittag eine Initiative, mit der 20 Staaten ihre Mittel für Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien für fünf Jahre verdoppeln wollen. Auch private Investoren um Gates wollen dafür Mittel bereitstellen. Obama traf im Vorfeld seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping und rief dazu auf, dass die beiden weltgrößten Treibhausgas-Produzenten eine Führungsrolle im Kampf gegen die globale Erwärmung übernehmen sollten.

Die deutsche Bundesregierung warb für einen Klimavertrag, der regelmäßige Kontrollen in den Unterzeichnerstaaten vorsieht. „Der Kontrollmechanismus wird Teil des Rahmenvertrages sein“, sagte der deutsche Verhandlungsführer Karsten Sach. Er glaube aber nicht, dass man sich auf scharfe Sanktionen für Staaten, die ihre Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen nicht erreichen, einigen könne.

Gefährliche Luftverschmutzung auch in Europas Städten

Zum Start des Klimagipfels hat die Europäische Umweltagentur (EEA) vor der hohen Luftverschmutzung in Europa gewarnt. Trotz politischer Anstrengungen sind die meisten Stadtbewohner demnach einer Luftverschmutzung ausgesetzt, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unsicher einstuft.

„Luftverschmutzung ist das größte einzelne Gesundheitsrisiko in Europa“, hieß es in dem Bericht. „Es verkürzt Menschenleben und trägt zu schweren Krankheiten wie Herzkrankheiten, Atemproblemen und Krebs bei.“ Luftverschmutzung sei 2012 für über 430.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich gewesen. (siha, tt.com, APA/dpa/Reuters)

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Demonstrationszug für mehr Klimaschutz am Sonntag in Budapest, Ungarn.

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"Erneuerbare Energien" steht auf diesem Plakat der Demonstrierenden.

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