„Man hat Wissenschaftern 40 Jahre nicht zugehört“

Innsbruck, Paris — Der Südtiroler Glaziologe Georg Kaser, der zu den weltführenden Klimaforschern gehört, war auf der Klimakonferenz in Pari...

Glaziologe Georg Kaser war am Klimagipfel.
© Uni Innsbruck

Innsbruck, Paris — Der Südtiroler Glaziologe Georg Kaser, der zu den weltführenden Klimaforschern gehört, war auf der Klimakonferenz in Paris.

Ist das Abkommen wirklich ein historischer Tag für die Menschheit und den Planeten Erde?

Georg Kaser: Aus politischer Sicht ist das Abkommen natürlich ein sensationeller historischer Augenblick. Es ist nur schade, dass wir Wissenschafter bereits seit 40 Jahren die Folgen der Erderwärmung predigen und niemand uns bisher zugehört hat. Aber ich will die Freude nicht schmälern, es ist mit Paris etwas in Bewegung geraten.

Kann der Vertrag verhindern, dass die befürchteten Folgen der Klimaveränderung gestoppt werden?

Kaser: Es ist sehr, sehr spät für viele Dinge. Das vereinbarte Klimaziel reicht nicht, um die massiven Veränderungen aufzuhalten, die bereits in Bewegung sind. Die Meeresspiegel werden bei einer Erwärmung von 1,5 Grad Celsius bis 2300 um vier bis sechs Meter steigen, Inseln im Pazifik verschwinden — was ja schon geschehen ist —, große Teile des Permafrosts auftauen und ein großer Teil der Gletscher wird verschwinden.

Eigentlich müssten laut Vertrag die fossilen Energieträger der Vergangenheit angehören. Wird das geschehen?

Kaser: Technisch gesehen ist es möglich, aber der Weg dorthin wird sehr, sehr schwierig.

Glauben Sie, dass man den Wissenschaftern nun Gehör schenkt?

Kaser: Wir haben immer und immer wieder das Gleiche gesagt und werden das auch weiterhin tun. Nun liegt es an der Politik, die richtigen Schritte zu setzen.

Das Gespräch führte Brigitte Warenski


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