Projekt Stadtschreiber: Eine Abschaffung auf Raten

Nach sechs Auflagen stellt Kitzbühel das Projekt Stadtschreiber ein. Ersetzen sollen es Schreibworkshops an Schulen.

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Kitzbühel –Unter den heimischen Literaturpreisen hat sich das Stadtschreiber-Stipendium Kitzbühel seit seiner Einführung 2007 schnell etabliert. Und auch die Liste der bisherigen Stipendiaten kann sich durchaus sehen lassen: Lorenz Langenegger (Stadtschreiber 2009), Anna Weidenholzer (2012) oder Lukas Meschik (2013) – um nur die namhaftesten zu nennen – sind mittlerweile wahrlich keine Geheimtipps mehr, sondern wichtige Vertreter der heimischen Gegenwartsliteratur. Ihre Werke sind die potenziellen Spitzentitel der jeweiligen Verlagsprogramme. Ein gewisses Gespür bei der Auswahl der mit einem mehrwöchigen Schreibaufenthalt in Kitzbühel und – wie es in der offiziellen Projektbeschreibung heißt – „angemessener finanzieller Zuwendung“ gewürdigten Autoren kann also kaum geleugnet werden. Wobei, allzu hoch dürfte besagte Zuwendung nicht gewesen sein: Das Gesamtbudget des Stadtschreiber-Stipendiums betrug zuletzt 5000 Euro – den Großteil davon stellten Sponsoren. Die Stadt Kitzbühel förderte mit 2000 Euro.

Trotz des überschaubaren Finanzaufwandes wurde das Projekt nun eingestellt. Wobei es sich um eine Einstellung auf Raten handelte: Im Frühjahr 2013 beschloss der Gemeinderat auf Vorschlag von Bürgermeister und Kulturreferent Klaus Winkler, das Stipendium künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus zu vergeben. Eine Entscheidung, die von Stadtschreiber-Initiator und ehrenamtlichem Kurator Joachim Burger kritisiert wurde. Auch SPÖ-Gemeinderat Thomas Nothegger sprach von einem „Armutszeugnis“.

Jetzt, über zwei Jahre später, ist das Thema endgültig vom Tisch. Eine zunächst angekündigten Stadtschreiber 2015 gab es nicht. Und es wird auch in Zukunft keinen mehr geben. Eine Weiterführung stehe nicht auf der Tagesordnung, lässt Bürgermeister Winkler über Gemeindesprecher Felix Obermoser ausrichten. Es habe an Perspektiven zur Weiterentwicklung gefehlt. Außerdem sei „die Zeit nach sechs Auflagen reif für etwas Neues“, so Obermoser. Deshalb wurde mit der Pinzgauer Gemeinde Mittersill ein Literatur-Projekt für die Neue Mittelschule entwickelt: Schreibworkshops mit dem Tiroler Krimi-Autor Georg Haderer.

Joachim Burger findet diese Initiative „fraglos löblich“. Mit dem Projekt Stadtschreiber lasse sie sich allerdings kaum vergleichen. „Die Zusammenarbeit mit Schulen war ein wichtiger Aspekt des Programms, aber es ging nie um einfache Literaturvermittlung, sondern um die Förderung von Autoren sowie darum, der ‚Sportstadt‘ Kitzbühel ihren Platz auf der österreichischen Literaturlandkarte zuzuweisen“, sagt Burger. Bei diesem Unterfangen sei man, das würden auch Reaktionen aus ganz Österreich unterstreichen, auf einem sehr guten Weg gewesen, „bis dieser nicht nachvollziehbare Akt kulturpolitischer Willkür alles zunichtegemacht hat“. (jole)


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