Pointner zur ÖSV-Krise: Noch wird alles schöngeredet
Alexander Pointner (44), erfolgreichster Skisprung-Trainer aller Zeiten, kommentiert für die TT das Schanzen-Geschehen.
Von Alexander Pointner
Wie sehr hatten die Österreicher darauf gehofft, dass die beiden Spitzenreiter am Bergisel Nerven zeigen würden. Dann erlaubte sich sowohl Prevc (missglückter Sprung) als auch Freund (Sturz) im Probedurchgang einen Patzer. Doch die Einzigen, die das offensichtlich nervös gemacht hat, waren die ÖSV-Adler. Hayböck und Kraft sahen plötzlich ihre Chance, wollten das Klassement mit überragenden Sprüngen zu ihren Gunsten drehen. Doch wer im Skispringen zu viel will, scheitert kläglich. So wie die restlichen Österreicher, die auf ihrer Heimschanze zeigen wollten, was sie draufhaben.
Ich bin in den vergangenen Jahren oft dafür kritisiert worden, mich zu sehr auf das Wettkampfcoaching zu konzentrieren und das technische Feintuning zu sehr den Stützpunkttrainern zu überlassen. Doch inzwischen wird in vielen Nationen auf hohem Niveau gearbeitet und schlussendlich ist entscheidend, wer zum richtigen Zeitpunkt seine beste Leistung bringt. Es geht um die Performance beim Wettkampf, die bei Spitzenathleten nicht durch noch mehr Training verbessert werden kann. Es zählt die Fähigkeit, automatisierte Bewegungen mit Leichtigkeit und ohne störende Gedanken ablaufen zu lassen. Das fällt einem Springer, der in Höchstform ist, natürlich leichter. Doch wer dieses Potenzial hat, dem machen auch kleine Fehler nichts aus.
Österreich ist im Nationencup hinter Deutschland, Norwegen und Slowenien auf den vierten Platz abgerutscht. Gern wird darüber philosophiert, dass von den „Superadlern“ ja kaum noch jemand übrig sei. Doch dass wir nach Sotschi in der Besetzung Schlierenzauer, Diethart, Kraft, Hayböck bzw. Kofler noch zwei Teambewerbe gewonnen haben, wird dabei gern übersehen. Das Potenzial wäre da, doch die Ausbeute ist bisher enttäuschend mager.
Mich wunderte es in den vergangenen Tagen, wie viele ÖSV-Betreuer am Trainerturm herumschwirrten. Das Stützpunktsystem wurde offenbar ordentlich ausgeweitet. Ob wie damals, als wir 2006 in Innsbruck ein ähnliches Ergebnis einfuhren (mit immerhin fünf Athleten unter den 20), von höchster Stelle eine Krisensitzung einberufen wird, wage ich zu bezweifeln. Denn noch wird alles schöngeredet.
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