Weltraumarchitekten entwickelten selbstentfaltendes Habitat
Selbstentfaltende „Häuser“ sollen Astronauten etwa auf dem Mars als Wohnraum dienen – und als Basis für Expeditionen. Entwickelt wurde das neue Modell unter anderem von Forschern aus Wien.
Wien – In dreijähriger Arbeit entwickelte ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung einen selbstentfaltenden Lebensraum für Astronauten. Im April 2016 soll das „Self-deployable Habitat for Extreme Environments - SHEE“ bei einer simulierten Marsmission in Spanien erstmals getestet werden, wie die Wiener Weltraum-Architekturplattform Liquifer mitteilte.
6000 Kilogramm schwere Station für zwei Astronauten
Die österreichischen Forscher entwickelten das ungefähr 6.000 Kilogramm schwere erste europäische Weltraumsimulationshabitat SHEE in einem von der EU geförderten Projekt in Kooperation mit Kollegen aus Frankreich, Belgien, Estland und Tschechien. Die größte Herausforderung dabei: Auf möglichst kleinem Raum möglichst viel Funktionalität unterzubringen. Der Wohn- und Arbeitsraum ist so konzipiert, dass zwei Habitate zusammengefaltet in eine für künftige bemannte Weltraummissionen geplante Schwerlastrakete passen würden.
Mit 50 Kubikmetern bietet SHEE Platz für zwei Personen. Es soll ihnen zunächst als Basis für simulierte Weltraum-Missionen dienen. Das System ist so ausgelegt, dass mehrere Module zu größeren Strukturen zusammengefügt werden können. „Um die Forschungskapazitäten zu erhöhen, kann SHEE eine ständige Präsenz mit guter Ausstattung in der zu beforschenden Gegend ermöglichen, auch ohne großen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen“, heißt es.
Gefährliche Umgebung macht eigenständiges Aufbauen nötig
Wegen der extremen Umweltbedingungen, der hohen Sicherheitsrisiken und der Kosten von Bauarbeiten auf einem anderen Himmelskörper muss sich die Wohneinheit dort möglichst eigenständig aufbauen. Auch die meisten Einrichtungselemente sind auffalt- und veränderbar. Neben Ein- und Ausgangsbereichen, gibt es Arbeits- und private Bereiche, eine Küche sowie eine Hygieneeinheit mit WC. Im Inneren kann das Habitat individuell eingerichtet und damit dem Forschungsbedarf angepasst werden.
Ein erster Härtetest des Prototyps ist für April kommenden Jahres bei einer simulierten Marsmission im spanischen Testgebiet Rio Tinto geplant. Im Rahmen des europäischen „MOONWALK“-Projekts, an dem das Wiener Unternehmen ebenfalls beteiligt ist, wird dort auch die Kooperation zwischen Astronauten und einem gestengesteuerten Rover getestet. (APA)
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