Was jetzt kommt, ist eine Frage der Ehre
Für die Haie geht es im Finish des Grunddurchgangs darum, Anstand zu beweisen. Heute kommt Bozen.
Von Alex Gruber
Innsbruck –„Sie haben sich eh bemüht und ein Tor geschossen“, gab der sechsjährige Sohn nach der 1:5-Niederlage gegen die Graz 99ers am Sonntag zum Besten. Der kleine Kerl hat in seiner Unverblümtheit noch die rosarote Brille auf. Irgendwie süß.
Ansonsten verließen viele der so getreuen Fans die Tiwag-Arena mit saurer Miene. Zwei Debakel (zuvor 1:6) gegen die Steirer binnen zwölf Tagen schlagen ebenso aufs Gemüt wie acht Niederlagen in Serie – fünf davon wurden unter der Leitung von Pierre Beaulieu kassiert. Wer auf eine Trendwende nach der vorzeitigen Trennung von Christer Olsson geglaubt hat, wurde eines Besseren belehrt. Außerdem war der 32-jährige Kanadier ja zuvor Olssons Co-Trainer und hat dasselbe Material zur Verfügung. „Ich bin generell von der Mannschaft enttäuscht, mit Ausnahme der jungen Tiroler“, notiert Vorstandsmitglied Norbert Ried.
Warum Beaulieu im letzten Drittel gegen Graz einen Fabio Schramm oder Christoph Hörtnagl nicht mehr brachte, bleibt sein Geheimnis. Denn von den Imports und Routiniers hat sich kaum einer zusätzliche Einsatzminuten verdient. Im Prinzip könnten die Jungen (weiters Saringer, Ebner ...) im Finish des Grunddurchgangs wertvolle Einheiten sammeln. Bei nur noch zwei Heimspielen (17. Jänner/Vienna Capitals) und drei schweren Auswärtspartien in Wien, Linz und Salzburg wird sich am elften Tabellenrang nichts mehr ändern. Und irgendwie sollte man danach trachten, vor der Zwischenrunde wieder für etwas frischere Beine zu sorgen. Gegen Graz schienen einige mit Steigeisen auf den Kufen unterwegs zu sein. Zudem zahlt Goalie Andy Chiodo, der alle 39 Spiele absolvierte, der Dauerbelastung Tribut: Mit seiner Fangquote vom Graz-Spiel (nur 73,7 %) ist kaum ein Spiel zu gewinnen.
In die Mannschaft oder einen neuen Trainer wird in dieser Saison wohl nichts mehr investiert. Der Modus mit Zwischenrunde hält die Play-off-Chance theoretisch am Leben, ehe erneut ein Kaderumbau erfolgt. Hoffentlich wird überall – vom Büro bis in die Kabine – genau analysiert. Den Fans ist man heute eine anständige Leistung schuldig. Bozen kämpft um einen Platz in den Top sechs.
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