VW könnte in den USA über 80 Mrd. Euro Strafe drohen

Bisher waren Experten von einem eher kleineren zweistelligen Milliardenbetrag ausgegangen. Bereits am Montag hat das Justizministerium in den USA Klage gegen den Volkswagen-Konzern eingereicht.

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© APA/dpa/Jochen Lübke

Washington, Wolfsburg – Rechnungen von Analysten sowie der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte VW in den USA zu gewaltigen Strafen verurteilt werden. Am Dienstag wurden Bußgeldsummen von bis zu 90 Mrd. Dollar (83 Mrd. Euro) kolportiert.

Eine erschreckend hohe Rechnung

Der Konzern hat eingeräumt, dass bei knapp 600.000 seiner Dieselfahrzeuge in den USA die Abgasemissionen höher als erlaubt ausfallen. Theoretisch könnten laut Klageschrift pro Fahrzeug und Gesetzesverstoß 37.500 Dollar an Strafzahlung anfallen. Insgesamt wären das mehr als 90 Mrd. Dollar.

Laut dem Analysten Holger Schmidt von der Frankfurter Investmentbank Equinet ergibt sich damit im schlimmsten Fall eine erschreckend hohe Rechnung: Schmidt zufolge werden VW Verstöße gegen insgesamt vier Paragrafen des „Clean Air Act“ vorgeworfen. In der 31-seitigen Klageschrift sei die Rede von Strafen bis zu 37.500 US-Dollar pro betroffenem Fahrzeug, 600.000 Stück an der Zahl.

Da das Justizministerium Volkswagen beschuldige, gegen vier Rechtsvorschriften verstoßen zu haben, komme man rein rechnerisch auf eine Maximalsumme von 90 Mrd. Dollar - vorausgesetzt, der Autobauer werde wegen aller Verstöße schuldig gesprochen und müsste dafür pro Auto jeweils die Maximalstrafe zahlen.

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Vereinigten Staaten versuchen Marktposition der US-Autohersteller zu stärken

Dieser Betrag sei jedoch nur ein rein theoretischer Wert, relativierte Schmidt. Er sei weiterhin davon überzeugt, dass über die Höhe möglicher Strafen nur spekuliert werden könne. Klar scheine gleichwohl zu sein, dass die US-Regierung entschlossen sei, die Position von Volkswagen in den USA weiter zu schwächen. Damit versuchten die Vereinigten Staaten zugleich, die Marktposition der heimischen Autohersteller zu stärken.

Bisher waren Experten von einem eher kleineren zweistelligen Milliardenbetrag ausgegangen. Gestern, Montag, hat das Justizministerium in den USA Klage gegen den Volkswagen-Konzern eingereicht.

In Klage nur Gesetzesinformationen für das Gericht aufgeführt

Das US-Justizministerium will sich nicht konkret zum möglichen Strafmaß für Volkswagen im Abgas-Skandal äußern. „Wir haben keine mögliche Maximalstrafe spezifiziert und werden uns nicht an Spekulationen beteiligen, was die Richter letztlich entscheiden werden“, sagte ein Sprecher des Justizministeriums am Dienstag auf Nachfrage.

In der Klageschrift seien lediglich satzungsmäßige Gesetzesinformationen für das Gericht aufgeführt, um den Ernst der Vorwürfe zu verdeutlichen. Am Montag hatte das Ministerium eine Zivilklage wegen Betrugs und Verstößen gegen Umweltgesetze gegen VW eingereicht, die zu Spekulationen über die drohenden Strafzahlungen für die Wolfsburger führte.

Aufklärung wurde behindert und gehemmt

Im Abgasskandal werfen die USA dem deutschen Autobauer Tricks und Täuschung auch bei der Aufarbeitung der Affäre vor. „Die Bemühungen der Vereinigten Staaten, die Wahrheit über die Emissionsüberschreitungen und andere Ungereimtheiten zu erfahren (...), wurden behindert und gehemmt durch das Vorenthalten von Material und irreführende Informationen, die VW zur Verfügung gestellt hat“, heißt es in der Klageschrift der US-Regierung, die das Justizministerium am Montagabend in Washington vorgelegt hatte. Die Vorwürfe zielen auf zwei Motorgrößen; mit 2,0 und 3,0 Liter Hubraum. (APA, Reuters, dpa-AFX)


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