Kriminalfall Traunsee: Chronik eines (fast) angekündigten Todes
Ein 72-jähriger Hesse tötet seine Frau, zerteilt ihre Leiche und fährt damit Hunderte Kilometer nach Österreich, um dort gemeinsam mit den Leichenteilen im Traunsee unterzugehen. Ein Versuch, den Kriminalfall zu rekonstruieren.
Gmunden, Kelsterbach – Ein glücklich lächelndes älteres Paar – er hat seinen Arm um sie geschlungen – strahlt von einem Foto, das in diversen deutschen Medien kursiert. Die Frau hat kinnlange braune gewellte Haare, ihre Augen funkeln vergnügt, während der Mann mit dem Finger in Richtung Kamera zeigt: Es ist ein Bild aus vergangenen Tagen, als die beiden wohl noch glücklich waren. Unbesorgt.
Jetzt sind sie tot – die 71-jährige Rentnerin erdrosselt und zerstückelt, vermutlich vom eigenen Ehemann, der sich nur wenige Tage später im Traunsee das Leben nahm. An den Arm hatte er eine Sporttasche mit persönlichen Gegenständen angebunden. Ihr Gewicht zog ihn in die Tiefe. Für immer.
Mord vermutlich im Haus des Ehepaares
Zurück bleiben Fragen, die wohl niemand mehr restlos beantworten kann. Warum musste die 71-jährige Deutsche sterben? Warum wurde ihr Leichnam auf so grausame Art und Weise geschändet? Was trieb den 72-Jährigen dazu, seinem Leben im Traunsee ein Ende zu setzen?
Die Ermittlungen stehen erst am Anfang, mit der Identifizierung der beiden Hessen ist die Polizei allerdings schon einen großen Schritt weiter. Das Ehepaar stammte aus Kelsterbach in der Nähe von Frankfurt am Main. Dort soll der Mord laut Polizei auch passiert sein. „Spuren deuten darauf hin“, so die Ermittler.
„Zwischen den beiden Todeszeitpunkten bestand ausreichender Abstand“, erklärte der oberösterreichische LKA-Chef Gottfried Mitterlehner noch am Dienstag. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Dritter in den Fall verwickelt sein könnte, betonte der Chefermittler.
Nach Salzburg zur Silberhochzeit
Der 72-Jährige soll laut einem Bericht der „Bild Zeitung“ am 30. Dezember zu Nachbarn gesagt haben, dass er nach Salzburg fahre. Als Grund gab er seine Silberhochzeit an. Seine Frau war nicht mehr an seiner Seite.
Die Polizei geht davon aus, dass die Hessin zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Leben war. Ihre Leiche hatte der Ehemann wohl zerteilt und in zwei graue Hartschalenkoffer verstaut. Dann fuhr er los: Rund 600 Kilometer nach Österreich. Er checkte unter falschem Namen in ein Salzburger Hotel ein und blieb dort mehrere Tage. Am Ende brachte er die Koffer, die Sporttaschen und einen Trolley mit persönlichen Gegenstanden von Salzburg nach Gmunden. Er warf die Koffer in den See, band sich die Sporttaschen – in einer waren persönliche Gegenstände, in der anderen Pflastersteine – um die Handgelenke und stieg in das fünf Grad kalte Wasser, bis er keinen Boden mehr unter den Füßen hatte.
Nach dem Fund der Leichenteile und der männlichen Leiche waren die Ermittler schnell erfolgreich, was die Suche nach dem Fahrzeug des Mannes betraf. Damit konnte dann die Identität der beiden Toten relativ rasch geklärt werden.
„Ich habe keine Vorsätze mehr“
Der Rentner war in der Kleinstadt, in der er gemeinsam mit seiner Gattin in einem beschaulichen Wohnhaus wohnte, kein Unbekannter. Als stellvertretender Vorsitzender des örtlichen Karnevals-Vereins kannten ihn Freunde und Bekannte als stets engagierten und lustigen Menschen, der von Problemen im familiären Umfeld nichts durchblicken ließ. Wie die „Frankfurter Neue Presse“ berichtet, antwortete der Karnevals-Vizechef auf ihre Silvester-Umfrage mit den Worten: „Ich habe keine Vorsätze mehr für das neue Jahr. Es kommt sowieso immer anders, als man denkt.“
Es klingt im Nachhinein fast wie die Ankündigung der unfassbaren Tat. Nachbarn erzählten jedenfalls gegenüber der „Bild“, dass nicht immer alles so eitel Wonne war, wie es nach Außen schien. Der Mann soll sich immer wieder hohe Geldbeträge geliehen haben, obwohl er kein schlechtes Einkommen gehabt habe. Von einer „Spielleidenschaft“ wird gemunkelt.
Es liegt jetzt an der Polizei, die fehlenden Puzzleteile weiter zusammen zu setzen. Der Kelsterbacher Karnevalsverein hat seine Sitzung Ende Jänner jedenfalls abgesagt. Zum Spaßen ist derzeit dort niemandem zumute. (rena)