Graffiti-Künstler HNRX: Es ist angerichtet
Graffiti-Künstler HNRX hat der Stadt mit viel Selbstbewusstsein und Witz seinen Stempel aufgedrückt. In seinem dritten Video geht es dem Sprayer zwischen Kunst und Vandalismus einmal mehr um die Wurst.
Von Silvana Resch
Innsbruck –Je grauer die Wintertage, umso greller leuchten die Werbeplakate – und umso bunter die Graffiti. Was früher als Vandalenakt galt, geschieht heutzutage vielfach legal – und sogar auf Auftrag. Spätestens seit dem britischen Street-Artist Banksy ist die urbane Kommunikations- und Kunstform salonfähig geworden. Auf politische oder kunstmarktkritische Kommentare wie der von ihm hochgeschätzte britische Kollege verzichtet der junge Innsbrucker Sprayer HNRX (sprich Henrix) jedoch. „Er macht sein Ding, ich mach’ meins“, erklärt er selbstbewusst und lässt den Ring mit HNRX-Schriftzug an seinem Finger blitzen. Der HTL-Absolvent will schlicht und einfach „Freude“ mit seinen grellbunten Graffiti machen.
Dazu serviert der 22-Jährige exotische Früchte und Garnelen, am liebsten jedoch „Wurscht“, zumeist mit Senf, mal zu einer Brezel geknotet, in eine Bananenschale gehüllt, im Maul eines Fisches oder – doch recht nahe am Kommentar – unter dem zweckentfremdeten Innsbrucker Stadtlogo „inns’wurscht“.
Die Wurst hat er mittlerweile in die Welt hinaus getragen: Brüssel, Amsterdam, London, Berlin, Wien – in all diesen Städten sprayte er schon Rosa auf Grau. „Alles legal“, grinst der gebürtige Innsbrucker, der sich am liebsten vegetarisch ernährt. Interviews gibt er auch gerne, sein Gesicht will er aber nicht in den Medien sehen, Kontrolle über sein öffentliches Bild ist ihm wichtig. „Ich weiß, was ich will“, sagt er und erklärt seinen neuen, bereits dritten Videoclip „Wurscht mit Senf“ zu einem guten Anlass für einen Zeitungsbericht. Das Video ist Dokument eines hastigen, nostalgischen Trips, der von Abenteuer und Geheimnis erzählt – wohl am Rande der Legalität, drum wird der Name des Ortes, an dem gedreht wurde, auch nicht in die Welt hinausposaunt. In einem längst verlassenen Hotelzimmer wird vielmehr exzessiv Senf aus der Dose gedrückt, bis dass das dort entstandene Kunstwerk wie von einem Heiligenschein umrahmt erstrahlt. Parodistisch sei das von Raphael Pöham gestalterisch perfekt in Szene gesetzte Video zu verstehen. Der 22-Jährige, der am liebsten „jeden Tag in Abrisshäusern herumstreifen und Wände besprühen würde“, will sein Hobby nicht nur am Wochenende ausüben – aber auch nicht in „Hochglanzgalerien“ ausstellen. Seine Arbeit gehöre nach draußen, darum gelte es, ein „Schlupfloch in der Gesellschaft“ zu finden. Auf der HNRX-Website findet sich etwa ein eigener Web- shop: Siebdrucke, aber auch Streetwear mit eigenem Design werden dort feilgeboten.
Nach seiner ersten Ausstellung im Innsbrucker Styleconception vergangenen Sommer zog es HNRX zuletzt in größere Städte. Auf der Münchner Kunstmesse „Stroke“, die mit Urban- und Street-Art ein junges Publikum ansprechen will, oder bei einer Ausstellung unter einer Londoner U-Bahn-Station wurden seine Arbeiten gezeigt. Auch bei der Kunstmesse Art Innsbruck (28. bis 31. Jänner) wird der Graffiti-Künstler vertreten sein, hingehen muss man eigentlich nicht, im öffentlichen Raum fühlt sich HNRX ohnedies am wohlsten.
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