Kinokassen klingelten lauter, Kritik-Phalanx an Politik
2015 gingen 9,2 Prozent mehr Besucher in die zwölf Tiroler Kinos als im Jahr davor.
Innsbruck – Die Tiroler Kinos haben im Vorjahr mehr Besucher in ihren Sälen gezählt. Nach einem Minus im Jahr zuvor verbuchten die zwölf Lichtspieltheater in Tirol 2015 ein Zuschauerplus von rund 9 Prozent. Der Umsatz stieg um 10,5 Prozent auf 11,42 Mio. Euro, teilte die Branche am Freitag mit. Vor allem Hollywood-Blockbuster wie der Bond-Film „Spectre“, der Animationsstreifen „Minions“ oder der Fantasyfilm „Der Hobbit 3“ befeuerten das Geschäft. Insgesamt wurden in Tirols Kinos im Vorjahr 1,38 Mio. Besucher gezählt – etwas mehr als die Hälfte davon in Innsbruck. Jeder der 7762 Sessel wurde 178-mal im Jahr verkauft.
Georg Mayrhofer, langjähriger Obmann der Tiroler Kinos in der Wirtschaftskammer Tirol (WK), kommentierte die Zahlen überschwänglich: Es handele sich um ein Rekordjahr. „Das Kino ist nicht totzukriegen. Allen Unkenrufen und den x-ten Filmportalen zum Trotz – Kino boomt.“ Die erfolgreichen Streaming-Plattformen wie etwa Netflix täten aber „natürlich weh“, räumte Mayrhofer ein. „Jeder Floh beißt. Aber wir fürchten uns nicht vor den Portalen.“ Das Kino habe gegenüber dem Filmdownload auf der Couch den Vorteil des „gemeinsamen Erlebens“. Und die Tiroler Kinobetreiber hätten in den vergangenen Jahren ihre Struktur verändert. So würde die Filmauswahl mittlerweile ein älteres Publikum anziehen als noch vor wenigen Jahren – der Altersschnitt sei von einst 22 auf nun 30 Jahre gestiegen.
Geändert hat sich auch, dass es weniger Kinos mit dafür mehr Sälen gibt. 1998 hatten die damals 19 Kinos im Schnitt zwei Säle, 2015 bespielten die verbliebenen 12 Häuser im Schnitt 3,8 Kinosäle. „Bei den Standorten wird sich kaum noch etwas verändern“, prognostizierte Mayrhofer. „Der Markt ist gesättigt“, ergänzte WK-Fachgruppengeschäftsführer Bernhard Wanner.
Schwer verärgert zeigte sich Mayrhofer wegen der Mehrwertsteuer-Erhöhung von 10 auf 13 %, die seit Jahresbeginn auch für Kinokarten gilt. Mit Blick auf Nachbarländer mit tieferen Steuern sei dies eine „glatte Wettbewerbsverzerrung“. In Richtung Politik polterte er: „Wie blöd kann man eigentlich sein? Es ist zum Speib’n.“ Ähnlich deftige Worte fand er auch für die Vergnügungssteuern in Innsbruck und Lienz. Außerdem wetterte Mayrhofer gegen die EU, die das Territorialitätsprinzip bei Filmen abschaffen möchte. Im Kern geht es darum, dass Filmlizenzen in Europa bislang räumlich und zeitlich begrenzt vergeben werden. Nach dem Wunsch der EU sollen Filme künftig überall gleichzeitig starten. Mayrhofer kritisiert dies als „Gleichmachung“, hier solle ein funktionierendes System zerstört werden.
Nachdem die Kartenpreise 2014 um rund 25 Cent pro Karte gestiegen waren, verteuerten sich die Tickets im Vorjahr nur um 6 Cent bzw. 0,75 %. Im Schnitt kostet ein Ticket knapp 7 Euro, allerdings verzerren die vielen Karten-Aktionen das Preisbild. Rund die Hälfte der Kinoumsätze wird laut Mayrhofer mit Aktionen lukriert. Die Branche beschäftigt in Tirol viele Teilzeit-Kräfte. Umgerechnet auf Vollzeitjobs sind es 60 bis 70 Beschäftige. (wer)
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