„Jammerei und Sozialabbau“

Innsbruck – Zwischen den Tiroler Sozialpartnern fliegen wieder einmal die Funken: Grund ist der jüngste Vorstoß von Wirtschaftskammer-Präsid...

Dicke Luft zwischen den Arbeitnehmervertretern Erwin Zangerl (AK), Otto Leist (ÖGB) und WK-Präsident Jürgen Bodenseer (von links).
© ÖGB

Innsbruck –Zwischen den Tiroler Sozialpartnern fliegen wieder einmal die Funken: Grund ist der jüngste Vorstoß von Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer, der eine gründliche Überarbeitung des Arbeitsrechts und dabei etwa einen Teil-Krankenstand verlangte. In einer gemeinsamen Stellungnahme wiesen gestern AK-Präsident Erwin Zangerl und ÖGB-Vorsitzender Otto Leist „die wenig durchdachten Wortmeldungen“ Bodenseers zurück. Dieser habe „offenbar Jammern zum Prinzip“ erhoben, die Forderungen seien „plumper Aufruf zu Sozialabbau und nur noch peinlich“.

Wenn sich die WK-Spitze um die Finanzierung des Sozialstaats sorge, dann solle sie in den eigenen Reihen tätig werden, indem sie etwa den Rauswurf älterer Mitarbeiter durch ein Bonus-Malus-System einbremse oder die Kündigung von Beschäftigten während des Krankenstands unterbinde. Auch bei der Schaffung von mehr Vollzeit- und Ganzjahresjobs anstatt atypischer Beschäftigungsverhältnisse könne sich Bodenseer hervortun.

Zum geforderten Teilzeit-Krankenstand fragen sich Zangerl und Leist, wer denn beurteilen solle, ob jemand zu 25 oder 75 Prozent arbeitsfähig sei, ohne den konkreten Arbeitsplatz genau zu kennen. „Wir fragen uns auch, wann hat Bodenseer das letzte Mal einen Arbeitsplatz gesehen? Gibt es dann Verkäuferinnen, die nur Suppenbrieferl einräumen oder Kellner, die nur einen Teller tragen dürfen?“ Bei einer generellen Einführung eines Teil-Krankenstands wäre aus Sicht von Zangerl und Leist der Willkür Tür und Tor geöffnet. Schon jetzt würden sich aus Angst um den Arbeitsplatz viele nicht trauen, in Krankenstand zu gehen.

Bodenseer solle statt rein auf Bundesebene zu entscheidenden Themen besser mit AK und ÖGB „Zukunftsprojekte für Tirol“ angehen. (TT)


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