In diesem Essen ist der Wurm drin
Heimchen, Heuschrecken und Mehlwürmer – der Wiener Christoph Thomann verkauft essbare Insekten über das Internet. Sein Ziel: nachhaltiges Fleisch auf die Teller der Österreicher zu bringen.
Von Miriam Hotter
Innsbruck –Couscous mit Heuschrecken. Ofengemüse mit Heimchen. Brote mit Mehlwurmpesto. Was nach einem Menü à la Dschungelcamp klingt, sind die Rezepte von Christoph Thomann. Der 29-Jährige ist am 18. Jänner mit dem Online-Shop „Insekten essen“ an den Start gegangen und vertreibt dort alles, was kreucht und fleucht. Noch ist es ein kleiner Kreis, der sich das „große Krabbeln“ auf den Teller holt. „Bis jetzt sind ein paar Bestellungen eingegangen. Mal schauen, wie sich das Ganze entwickelt“, sagt der Wiener.
Angebot gäbe es genug: Rund 1900 Insektenarten sind laut Thomann als essbar klassifiziert. Er selbst verkauft in seinem Online-Shop vor allem Mehlwürmer, Heuschrecken und Heimchen in 20 bis 60 Gramm fassenden Papiersackerln. Der Preis: zwischen neun und 36 Euro.
„Zwei Milliarden Menschen essen täglich Insekten“, weiß der Gesundheitswissenschafter. In Österreich hat der Verzehr von Insekten allerdings noch Mutproben-Charakter. Thomann will das ändern. Der Mitbegründer des Vereins Speiseplan, der sich die Bewusstseinsförderung alternativer und nachhaltiger Ernährung auf die Fahnen geschrieben hat, will die Ernährungsgewohnheiten seiner Landsleute umkrempeln. „Insekten sind nicht nur reich an Zink, Eisen und Vitaminen, sie sind auch ressourcenschonend“, sagt der Wiener, der derzeit in einer Apotheke arbeitet.
Konkret heißt das: „Von Insekten können 80 Prozent des Körpers verzehrt werden, vom Rind sind es gerade einmal 40“, betont Thomann. In Sachen Platzbedarf, Futter, Emissionen und Wasser seien Insekten Rindern ohnehin haushoch überlegen. Ein Kilogramm Insekten verbrauche im Vergleich zu einem Kilogramm Rind nur etwa ein Tausendstel an Wasser.
Woher er das alles weiß? „Vor drei Jahren habe ich den FAO-Bericht (UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, Anm. d. Red.) gelesen, in dem Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft angepriesen wurden“, erzählt Thomann. In diesem Bericht empfiehlt die FAO Insekten offiziell als gleichwertige und nachhaltige Alternative, um den steigenden Fleischkonsum zu stillen.
Für Thomann Grund genug, sich intensiv mit Insekten und deren Verzehr auseinanderzusetzen – erste Kostproben inklusive. „Auf einer Party habe ich zum ersten Mal gewürzte Mehlwürmer probiert. Das war eine große Überwindung.“ Schon bald aber riefen Krabbeltiere keinen Ekel mehr hervor, sondern meist nussige Geschmackserlebnisse. „Insekten schmecken hervorragend.“
Vorausgesetzt, sie werden richtig zubereitet. Bevor die Krabbeltiere im Kochtopf landen, müssen sie zuerst getötet werden. „Wir frieren die Insekten ein, sie fahren so ihren Stoffwechsel herunter. Das ist ein artgerechter Vorgang, ähnlich wie in der Natur“, betont er. Anschließend werden die Tiere kurz blanchiert, damit auch etwaige Keime abgetötet werden, und anschließend gefriergetrocknet.
Wie daraus Mehlwurmmehl oder karamellisierte Grillen werden, zeigt Thomann in seinen Kochkursen. Dabei habe er beobachtet, dass die Heuschrecke sehr beliebt ist. „Bei den Heuschrecken sollte man übrigens die Flügel und die Beine entfernen“, empfiehlt er. Die Flügel würden nicht gut schmecken und die Beinchen seien wie kleine Widerhaken.
Apropos klein: Wird man bei den Tierchen überhaupt satt? „Die Insekten sollen lediglich das Fleisch ersetzen. Zehn Stück reichen aus.“ Viel müsse man ohnehin nicht davon essen. 100 Gramm Insekten kommen nämlich auf ca. 500 Kilokalorien. „Klein, aber oho“ bekommt da eine völlig neue Bedeutung.
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