Ai Weiwei

14.000 Rettungswesten und der Tote am Strand

Der Künstler Ai Weiwei provoziert mit seinen Werken und macht damit auf die prekäre Situation der Flüchtlinge aufmerksam.
© AP/picturedesk.com

Der chinesische Künstler Ai Weiwei sorgt mit seinen Kommentaren zur Flüchtlingskrise für weltweites Aufsehen.

Innsbruck –Man weiß nicht, wie viele Kinder auf der Flucht über das Mittelmeer bereits ertrunken sind. Vom dreijährigen Aylan Kurdi aus Syrien, dessen lebloser Körper im September 2015 an einem Strand in Bodrum angespült wurde, gab es ein Bild. Es ging um die Welt. So wie dieser Tage auch eine Fotografie, die Ai Weiwei von sich machen ließ: Der chinesische Künstler stellt am Strand von Lesbos das Bild des toten Flüchtlingsjungen Aylan nach, das für weltweites Entsetzen gesorgt hatte. Und etwa auch eine Diskussion darüber auslöste, ob eine mediale Veröffentlichung angemessen sei.

Ai Weiweis Foto sorgte in den vergangenen Tagen ebenfalls für Diskussionen: Während es manche Kommentatoren in den sozialen Netzwerken als „überwältigend“ und „tief bewegend“ bezeichneten, übten andere Kritik und warfen dem Künstler etwa die unangebrachte Ausbeutung eines tragischen Flüchtlingsschicksals vor.

Entstanden ist das Foto nicht eigentlich als Kunstwerk, sondern für ein Interview des indischen Magazins India Today. Am Wochenende war es schließlich auf der Kunstmesse „India Art Fair“ in Neu-Delhi zu sehen. Mit Aktionen und Aussagen zur Flüchtlingskrise macht Ai Weiwei seit einiger Zeit von sich reden – aus Protest gegen die Verschärfung des dänischen Asylrechts hat er Ende Jänner eine Ausstellung in Kopenhagen frühzeitig geschlossen, bereits Wochen zuvor hatte er die griechische Insel Lesbos besucht. Von dort bekam er auch jene 14.000 Rettungswesten, mit denen er jetzt in Berlin ein Mahnmal errichten will, wie am Dienstag bekannt wurde. Das Kunstprojekt soll auf das „Verbrechen“ aufmerksam machen, „das Tag für Tag von skrupellosen Menschenschmugglern in der Ägäis verübt wird“, so Ai.

Nahe Mithymna, dem Hauptort von Lesbos, liegen Zehntausende Rettungswesten, die Flüchtlinge nach der Überfahrt an den Stränden von Lesbos zurückgelassen haben. Oft handelt es sich um Billigwesten aus der Türkei, die bei einem Bootsunglück völlig nutzlos sind. (TT, APA, dpa)