Ein Wacker-Budget für alle Fälle

Der FC Wacker kehrt sein sportliches Glück nach außen. Das ebnete bei der jüngsten Generalversammlung den Weg für Änderungen.

Mit einem treffsicheren Mann wie Thomas Pichlmann im Hintergrund spricht es sich für Präsident Josef Gunsch bei einer Generalversammlung bedeutend leichter.
© Thomas Böhm / TT

Von Florian Madl

Innsbruck – Mit Engelsgeduld widmeten sich die Wacker-Verantwortlichen am Freitagabend den Fragen der Zuhörer. Der Mitgliederverein sollte gelebt werden, könnte die Botschaft lauten. Viel zu diskutieren gab es nicht, die Umwandlung des Profibetriebs in eine Kapitalgesellschaft erfolgt im Auftrag des Finanzministeriums, die Darstellung des Budgets in jenem des Vereinsrechts und der Wettkampfbehörde Bundesliga. Deren spezieller Behandlung, dem vierteljährlich zu übermittelnden Reorganisationsbericht, will der FC Wacker bald entgehen:

Den „Bewährungsauflagen“ kam der in der Vergangenheit trudelnde FC Wacker zuletzt stets nach. „Wir arbeiten wirtschaftlich sauber“, meint Präsident Josef Gunsch, der das klare Votum für sich und den neuen Vorstand als Auftrag verstand (95 Pro-Stimmen, 5 Gegenstimmen, 2 Enthaltungen). „Noch fehlt der Big Spender“, meinte der Milser in Anspielung auf einen Sponsor aus dem privaten Unternehmensbereich. Weitere Budgetzahlen:

Strafen: „Die könnten weniger sein“, meinte Präsident Gunsch kryptisch. 101.000 Euro wurden für den Posten „Strafen, Abgaben“ budgetiert, schon zur Saisonhalbzeit liegt man bei 96.570 Euro. Gunsch nimmt allerdings nicht nur die Fans in die Pflicht. „Manches war vermeidbar“, spielt der Milser etwa auf den seiner Meinung nach dürftigen Ordnereinsatz beim LASK-Auswärtsspiel an. Allein dafür habe man 20.000 Euro berappen müssen.

Stadionkosten: Die pendelten sich nach Beträgen jenseits der Million (in Österreichs höchster Liga) nunmehr zwischen 500.000 und 600.000 Euro ein. Gesperrte Sektoren mangels Zuschauererwartung und weniger Risiko-Spiele würden dazu beitragen.

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TV-Rechte: Die Einnahmen dafür sanken von 1,54 Millionen Euro (2013/14) auf mittlerweile 477.023 Euro. Ein schmerzhafter Einschnitt, den auch Zunahmen bei Tagestickets (+9000 Euro) und Abos (+9000 Euro) niemals wettmachen können. Und Unabwägbarkeiten wie ein frühes Cup-Aus gehören zur Variable Erfolg.

Rechnungsprüfung: So genannte In-sich-Geschäfte, etwa Wacker-Leistungen gegenüber Unternehmen von Vorstandsmitgliedern, seien ordnungsgemäß abgewickelt worden.

Prämien: Die Frage aus dem Publikum, ob etwa ein Meisterbonus das Budget nachhaltig belasten würde, wurde mit einem Lächeln quittiert. Und daneben mit dem Versprechen versehen, dass man diese Ausgabe gerne in Kauf nehmen würde.

Aussicht: Auf ein banges Warten nach dem Einreichen der Lizenzunterlagen (bis 15.3.2016) stellt sich Josef Gunsch heuer jedenfalls nicht ein. „Wir sind früher dran als in den vergangenen Jahren. Eine Unterschrift in letzter Minute brauchen wir nicht.“ Und damit könnte der mit der Prämisse Wirtschaftlichkeit angetretene 41-Jährige schon bald sein nächstes Etappenziel feiern. Denn nahezu zeitgleich mit der Bundesliga-Spielberechtigung 2016/17 soll die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft erfolgen.

Budget: Bei gut 5 Millionen Euro liegt der Vereinsetat heuer, kommendes Jahr sollte sich das im Fall eines Ligaverbleibs nicht ändern. Und wenn man aufsteigt? „Dann liegen wir bei 6 Millionen“, meint Gunsch. Ein Sprung, der den erhöhten TV-Einnahmen zu verdanken wäre. Der FC Wacker baut keine Luftschlösser, sondern Reihenhäuser mit solidem Fundament.


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