Inzko droht Dodik: Werde keine Destabilisierung zulassen

Sarajevo/Wien (APA) - Der internationale Bosnien-Beauftragte Valentin Inzko hat dem bosnisch-serbischen Präsidenten Milorad Dodik mit einem ...

Sarajevo/Wien (APA) - Der internationale Bosnien-Beauftragte Valentin Inzko hat dem bosnisch-serbischen Präsidenten Milorad Dodik mit einem Einschreiten gedroht, sollte er an seinen Unabhängigkeitsplänen festhalten. „Wenn jemand die Situation destabilisieren will, werden wir uns dessen annehmen müssen, weil Rückschritte keine Option sind“, sagte Inzko am Montag gegenüber der APA. Bosnien müsse „reintegriert“ werden.

„Bosnien und Herzegowina ist der Angelpunkt der Region und wir müssen unsere Arbeit vollenden“, betonte Inzko mit Blick auf den bevorstehenden EU-Beitrittsantrag des Landes. 2016 entwickle sich „zum entscheidenden Jahr“ für das Balkanland. Es habe nämlich „die Chance, einen entscheidenden Schritt in Richtung EU und NATO zu machen“.

Dafür müsse Bosnien aber „seine Vergangenheit zurücklassen und entschlossen in die Zukunft blicken“. In Anspielung auf Dodik sprach der Bosnien-Beauftragte von „manchen“, die diese Entwicklung unterminieren wollten, „indem sie Krisen fabrizieren, mit denen sie von ihren eigenen Unzulänglichkeiten ablenken wollen“.

Die seit dem Kriegsende vor zwei Jahrzehnten bestehende internationale Repräsentanz in Sarajevo wird vor allem in der bosnischen Serbenrepublik massiv angefeindet. Der bosnisch-serbische Präsident Milorad Dodik will seine Sezessionspläne mit mehreren Volksabstimmungen vorantreiben, die von Inzko als illegal abgelehnt werden. Dodik startete jüngst eine Protestaktion gegen den österreichischen Diplomaten, in deren Zuge dieser auch Morddrohungen erhielt.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hatte Bosnien am heutigen Montag besucht und dabei die österreichische Unterstützung für die EU-Annäherung des ehemaligen Bürgerkriegslandes bekräftigt. Der bosnische Außenminister Igor Crnadak äußerte die Hoffnung, dass Bosnien im Laufe des nächsten Jahres offiziell zum EU-Beitrittskandidaten werden könnte. Allerdings ist eine Woche vor der Übergabe des bosnischen Beitrittsantrags die wichtigste Voraussetzung für die EU-Annäherung noch nicht erfüllt. Die bosnischen Politiker streiten immer noch über die Einrichtung eines EU-Koordinierungsrates, in dem sie ihre Positionen in den Verhandlungen mit Brüssel abstimmen sollten.

Mit dem Friedensschluss von Dayton im Jahr 1995 wurde Bosnien-Herzegowina als äußerst schwacher Zentralstaat errichtet. Die wichtigsten Kompetenzen liegen bei den beiden Landesteilen, der bosniakisch-kroatischen Föderation und der bosnischen Serbenrepublik. Somit tragen sie die Hauptverantwortung für die Umsetzung der für einen EU-Beitritt erforderlichen Reformen und Gesetzesänderungen.


Kommentieren