Schreiben vom Amt sorgt für Wirbel

Das Land führt ein Erhebungsverfahren für eine mögliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zum Bau des Hochwasserschutzes im Unterland durch. Das vorgelegte Projekt sorgte für Aufregung und Irritationen.

So könnten allfällige Retentionsflächen im Bezirk Kufstein verteilt werden, das genaue Ausmaß wird die Detailplanung ergeben.
© Michael Mader

Von Wolfgang Otter

Radfeld –Braucht es für die Realisierung des Hochwasserschutzes samt Retentionsflächen im Unterland eine Umweltverträglichkeitsprüfung oder nicht? Diese Frage klärt derzeit das Land Tirol ab. Von der Antwort wird viel abhängen, auch ob der Hochwasserschutz für Wörgl noch 2018 in Bau gehen kann. Sollte nämlich ein UVP-Verfahren notwendig sein, werde dieser Termin mächtig wackeln, wie VP-Bürgermeister LA Alois Margreiter aus Breitenbach einräumt. Bei den Verhandlungen zur Bildung eines Wasserverbandes ist er gewissermaßen die rechte Hand von LHStv. Josef Geisler. Bis 5. Februar hatten die Gemeinden dieses angestrebten Verbandes Zeit, zu einem vorgelegten Projekt Stellung zu nehmen.

Die Reaktionen fielen gepfeffert aus: Nicht nur in Münster gibt es massiven Widerstand gegen das Ausmaß der Retentionsflächen (die TT berichtete), auch in Radfeld stellt sich Bürgermeister Josef Auer ganz entschieden dagegen. Wie berichtet, müsste Radfeld einen großen Teil des Gemeindegebietes für die kontrollierte Überschwemmung opfern, was wiederum für den Bau von Schutzmauern (u. a. für Wörgl) notwendig ist. Immerhin würden in den beiden Orten rund 97 Prozent aller geforderten Flächen anfallen. Es müssten auch andere Gemeinden mehr Wiesen zur Verfügung stellen, fordert daher Auer, auch wenn der Hochwasserschutz wichtig sei. Wobei er davon ausgeht, dass „nach einer Prüfung durch unabhängige Experten sich die Angaben ohnedies als zu hoch erweisen werden“.

Was der Radfelder Ortschef nicht versteht: „Es heißt immer, der Oberlieger darf dem Unterlieger nicht schaden, wir sind aber auch Unterlieger, daher dürfte eigentlich uns auch nicht geschadet werden“, sagt Auer zur TT. Seinen Worten nach beharrt Radfeld darauf, dass die Retentionsflächen in Richtung Kundl erst „nach dem Maukenbach beginnen“. Womit der Radfelder Anteil um ein gutes Stück kleiner würde. Da seine Gemeinde im weiteren Wachstum auf alle Fälle gebremst würde, sollen nicht nur die Grundbesitzer, sondern auch die Gemeinde finanziell entschädigt werden, fügt Auer an.

Für LHStv. Josef Geisler ist die Aufregung aber verfrüht. Laut seinen Worten hat das Amt ein theoretisches Projekt mit einem Worst-Case-Szenario ausgeschickt. Die Detailplanung sei erst in Auftrag geben worden. „Wir wollen weiterkommen, auch in Blickrichtung Wörgl“, betont Geisler den Druck dahinter.

„Erst wenn die Detailplanung vorliegt, weiß man genau, wie stark jede Gemeinde betroffen sein wird“, bestätigt auch Margreiter. Dabei gebe es auch den „politischen Auftrag“, entgegen früherer Planungen „den Bereich herauszunehmen, in dem 18 Gehöfte betroffen wären“, sagt Margreiter. Diese genaue Planung liege aber erst Ende 2016 vor, dann könne man diskutieren. Dieser Umstand sei den Gemeinden schriftlich mitgeteilt worden.

Bürgermeister Josef Auer zerpflückt die Pläne des Landes für den Hochwasserschutz.
© Otter

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