Protestsongcontest 2016: Flüchtlinge und Vorurteile

Am 12. Februar findet wieder der Protestsongcontest im Wiener Rabenhof Theater statt. Zentrale Themen sind in diesem Jahr Flüchtlinge und Vorurteile.

Der Protestsongcontest fand 2004 zum ersten Mal statt.
© Screenshot YouTube

Wien - Die Zeiten mögen noch so turbulent sein - eines jedoch hat Bestand: Am 12. Februar findet der Protestsongcontest im Wiener Rabenhof Theater statt. Heuer bereits zum dreizehnten Mal. Vorjahressieger „Wladimir (Put Put Putin)“ hat zwar nichts an Aktualität eingebüßt und der Combo Rammelhof mit „Putins Nightmare“ eine eigene Rabenhof-Show eingetragen, doch eine neue Lage verlangt neue Lieder.

Ist das zehn Formationen umfassende Starterfeld auch neu, Moderator Michael Ostrowskis (zum dritten Mal im Einsatz) braucht keine neue Begrüßung einzuüben: „Was Sie nicht wissen: Das ist heute der Eurovision Song Contest Vorentscheid“, passt auch 2016, findet doch am selben Abend im ORF-Zentrum tatsächlich die Wahl des österreichischen ESC-Teilnehmers statt.

Flüchtlinge als großes Thema

Die aufregenden und anstrengenden Wochen der selbst organisierten Hilf-Initiative „Train of Hope“ am Wiener Hauptbahnhof stehen im Mittelpunkt des Songs von Junk & Mr. 3st, der mit seinem Refrain „hey hey hey, wir packen das! hey hey hey, wir schaffen das!“ freilich mehr Selbstbestärkung als Protest ist: „Manchmal fehlt‘s an allen Ecken und Enden, aber nichts ist stärker als die Kraft von helfenden Händen!“

„Das gute alte Vorurteil“ besingt dagegen Shan Blitzero in guter alter Liedermacher-Manier: In seinem Song erregt ein demnächst einziehender neuer Nachbar, der ein Flüchtling aus Damaskus sein soll, das goldene Wiener Herz. Auch ganz auf der Retro-Welle schwimmen Joachim Unger & der Chor des IRG Wien, deren schmeichelweicher Beitrag „Wir. Stimmen gengan Kriag“ kaum Mauern zum Einsturz bringen dürfte. Ungleich grooviger fordert dagegen die Gruppe Papers Please: „Make Peace not Walls“.

Reggae Feeling bringen Barefoot Basement meets Tombo mit „Right Neider“ in den Gemeindebau („Auf den ersten Blick der harmlose Bürger, auf den zweiten der Asylwerber-Würger“, singen sie), während sich in Kurt Razellis „50 Schilling“ eine waschechte Favoritnerin zu Elektro-Sound über die steigenden Lebensmittelpreise ärgert. Joan Baez scheint dagegen vorbeizuschauen, wenn Laura Rafetseder „Beating Hearts“ besingt, Bettina Wegener könnte bei Sarah Leschs „Testament“ mitgeschrieben haben. Kinderlied-Flair verbreitet „Oh Johanna“ von Holawind.

Die Jury entscheidet

Bernhard Eder schließlich meint: „Es is zum rean“. Selbiges wird hoffentlich die Jury (bestehend aus der Journalistin und Moderatorin Olivera Stajic, dem Liedermacher Elias Hirschl, den Musikerin Clara Blume und Peter Paul Skrepek, der Labelbetreiberin und Flüchtlingshelferin Farangis Nomadee, dem Radiomoderator Martin Blumenau und dem Publikum) nicht finden und zu einer würdigen Entscheidung kommen. Sonst müsste man glatt dagegen protestieren.

Eigener Text muss sein

Die von Rabenhof und FM4 ausgerichtete Veranstaltung wurde 2004 zum 70. Jahrestag der Februarunruhen des Jahres 1934 ins Leben gerufen. Bei den Einsendungen sind sowohl Eigenkompositionen als auch Coverversionen willkommen, der Text muss jedoch original vom Teilnehmer kommen. (APA)


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