Franziskus im verarmten Südosten Mexikos - „Die Armen am Herzen“

San Cristobal de Las Casas/Vatikanstadt (APA) - Migration, Armut, soziale Ausgrenzung - die Schwerpunkte des Besuches von Papst Franziskus i...

San Cristobal de Las Casas/Vatikanstadt (APA) - Migration, Armut, soziale Ausgrenzung - die Schwerpunkte des Besuches von Papst Franziskus in Mexiko haben eine starke politische Dimension. Der Bischof von San Cristobal de las Casas, Felipe Arizmendi, spricht im indigen geprägten Chiapas im Südosten des Landes über die Erwartungen der dortigen Kirche - und hat auch einen Ratschlag für Europa im Umgang mit seinen Migranten.

Frage: Ist diese Reise politischer als andere Reisen Franziskus‘?

Antwort: Der Glaube bezieht sich immer auf die Wirtschaft, die Politik, das Leben, die Familie, die Wirklichkeit. Ein Glaube, der in der Sakristei bleibt, taugt nicht. Der Glaube muss helfen, die Welt besser zu machen. Als Lateinamerikaner liegt Papst Franziskus genauso wie der lateinamerikanischen Kirche das Schicksal der Armen am Herzen.

Frage: Welche sind die größten Probleme in Chiapas?

Antwort: Die Armut, und neben der Armut die fehlende Gesundheitsversorgung, die Analphabeten. Die fehlende Integration. Es gibt hier immer noch viele, die die Indios nicht akzeptieren. Manche sind sogar verärgert, weil der Papst die Indios besucht. Rassismus ist immer noch eine große Herausforderung.

Frage: Wie sehen Sie die aktuelle Migrationsdebatte in Europa?

Antwort: Die Offenheit Deutschlands gegenüber Migranten schätze ich sehr. Aber ich verstehe auch, dass viele realistisch sein wollen und sagen: „Das schaffen wir und das schaffen wir nicht, und wir müssen bestimmte Kontrollmechanismen haben, weil unter den Migranten es Menschen gibt, die es schlecht meinen.“ Ich glaube, Europa muss genau überlegen, wie es ihr Herz weiter öffnet.

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Frage: Welche sind Ihre Erfahrungen in Mexiko?

Antwort: Wir haben immer darauf bestanden: Mexiko sollte seine Grenzen noch mehr öffnen für all diese Menschen, die durch das Land wollen. Aber die USA erlauben es uns nicht, weil sie Mexiko als eine Art Mauer im Süden sehen. Sie wollen, dass Mexiko die Mauer ist, aber die Menschen kommen trotzdem durch, nur tun sie es mit großen Schwierigkeiten. Wir müssen andere Mechanismen finden.

ZUR PERSON: Felipe Arizmendi Esquivel wurde am 1. Mai 1940 in San Jose Chiltepec, Oaxaca, Mexiko geboren. 1963 empfing er das Sakrament der Priesterweihe für das Bistum Toluca. 1991 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Tapachula. 2000 bestellte ihn Johannes Paul zum Bischof von San Cristobal de Las Casas. Zu seinem 75. Geburtstag am 1. Mai 2015 bat Arizmendi wegen seines Alters um die Entlassung aus dem Bischofsamt. Der Vatikan bat ihn jedoch, das Amt noch einige Zeit länger auszuüben.


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